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Wasdasfuernscheiss?
POKEMON

Was ich mir gelegentlich wünsche, ist ein Anzug, sonen wohlig warmen, der nicht nur regenwasserabweisend ist, sondern an dem auch die Loggorhoe der Teenies spurlos abtropft, die da so schamlos von der Hand(y) in den Mund schmarotzen und uns noch dazu mit ihren konfus-konfuzianischen Weisheiten beglücken. Aber schlimmer noch gehts eine Primatenstufe drunter zu! Ich rede von den sechs bis zwölfjährigen Menschen, die doch tatsächlich bereit, willens und in der Lage sind, sich mit POKEMON zu beschäftigen.

"POKEMON?" werdet Ihr hoffentlich ungläubig fragen, "wasdasfuernscheiss?, kammadasessen?, gippsdasinecht?, isdasneneueKrankheit?" Ja, genau das ist es, eine die Fortexistenz der Menschheit mehr denn alle bisher im Privatfernsehen oder per Blödzeitung vertriebenen Katastrophen bedrohende Krake, die immer mehr um sich greift, längst Ersatzreligion und Lebensinhalt der verlorenen Nach(golf)kriegsgeneration geworden ist und damit für den Weiterbestand der Gattung eigentlich nur noch eine infauste Prognose zulässt.

POKEMON (kurz fuer Poketmonster) sind diese virtuellen Viecher, die so phantasielos und kreativitätslos gestaltet sind, dass man ganz schön viel Inspiration und Phantasie braucht, um auf etwas so langweiliges erstmal zu kommen. Man stelle sich das ruhig so vor: Die weltbesten Spielzeug- und Computergamedesigner sitzen alle zusammen, auf einer Art Kongress und überlegen, wie sie etwas schaffen können, was so widerwärtig ist, dass es kein Schwein kauft. Warum sollten sie das tun? Wer weiss! Vielleicht ein Geheimplan zur Rettung des Buches? Möglich! Oder eine Verschwörung um die Spielwarenindustrie auf einen Schlag zu zerstören und statt dessen die gute alte Kinderarbeit wieder salonfähig zu machen? Subtile Idee, nicht ohne Charme! Jedenfalls steht ziemlich fest, dass eine solche Zusammenkunft stattgefunden hat. Wie sonst wäre das Ergebnis zu erklären: Jene so blutleeren Teile, gegen die selbst die uns Älteren noch in wehmütiger Erinnerung befindlichen, allerdings regelmässig funktionsunfähigen Ypps-Gimmicks hochwertige, multifunktionale Charakterwesen mit Geist und Seele waren.

Und nun haben wir sie am Hacken, die POKEMON, die die Spielwarenindustrie natürlich trotzdem an den Mann, bzw. an die Göre gebracht hat. Mit niederschmetterndem Erfolg, der daran zweifeln lässt, ob das allgemeine, gleiche Wahlrecht wirklich ein Segen ist, bei dem alle, auch die POKEMON-Hersteller und -adepten nach Erreichen der Volljährigkeit das gleiche Stimmrecht haben. Es ist schon erstaunlich, irgendwann, irgendwo muss es ja mal Leute gegeben haben, die schon blöd genug waren, die Dinger zu kaufen, bevor sie die Dinger hatten und durch den Gebrauch der Dinger jene terminale Verblödung einleiteten, die man eigentlich erreicht haben müsste, um die Dinger zu kaufen. Wenn alle diese Menschlein dann - ausgehend vom prae-POKEMON-Stadium - durch den POKEMON-Gebrauch ihre weitere Herabverblödung in die Finsternis des Post-POKEMON-Stadiums erfolgreich durchgeführt haben und dergestalt in der Altersgruppe landen, dann wird nicht mehr viel Planet übrig sein, wo man noch einen intelligenten Satz sagen kann. Nein, selbst die wenigen noch klar denkenden Unitätsaspiranten, werden zu Aspirinten, denn anders als sediert und betäubt laesst sich der Zustand kaum ertragen, wenn um einen herum die Kommunikation auf Kommandos wie "Los Charizard, Rasierblattangriff!" "Go Picatschuh!" (Gesundheit!) beschränkt ist. Also "LOS PSYCHOPHARMAKAPRODUZENTEN, RAUSCHMITTELANGRIFF!" bitte liebe Boehringer, stellt etwas her, was einen das verpassen lässt, eine Art POKEMON-Addict-Wahrnehmungshemmer. Denn kaum eine Sphäre des gesellschaftlichen Lebens ist noch frei von der Seuche. Neben dem geistlosen Computerspiel gibt es selbstredend eine hirnlose Fernsehserie, einen Film, Sammelkarten, Kappen, Teller, Poster, spezielle Gameboyderivate, die nur für dieses eine Spiel verwendbar sind, offizielle und inoffizielle Cheats und natuerlich immer neue Varianten des Spiels die man, bzw. Kind, bzw. Debilinski sich alle kaufen muss, wenn er die Möglichkeit haben moechte, alle POKEMON komplett gejagt, gefangen weissichwas zu haben. Um dann... ja was eigentlich? Wahrscheinlich, dem gepflegten und verdienten Suizid in die weit ausgebreiteten Arme zu fallen.

Das ist der bisher gefährlichste Versuch Japans, die USA und die gesamte westliche Welt nach dem verlorenenen Weltkrieg doch noch zu unterjochen. Das in Tokyo unter dem geheimen Schlagwort "Spiele fuer Debile" laufende Projekt hat schon jetzt dafür gesorgt, dass 50% der zehnjährigen Amerikaner so abgelenkt und konzentrationsgehemmt sind, dass sie noch an keiner richtigen Schulhofmesserstecherei teilnehmen konnten. Einige Kinder wusste auf Befragen hin nicht einmal die Schusswaffe ihres Vaters zu bedienen. So geht es nicht weiter, wenn eine jahrzehntealte Kultur binnen Jahresfrist derartig umgepflügt wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das weisse Haus fällt und die rotweisse Fahne auf dem Capitol Hill gehisst werden kann.

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Tunnelzughosen und bauchnabelfreier Röllchenstretch
Die Uni-Zippen

"Frauenförderung" ist so ein Thema, da geh ich auf 180 cm langen Fingernägeln an der Decke spazieren, aber das ist zu speziell, zu personinnen- und unibezogen, da erkennt sich die eine oder andere Zippe wieder (ach nee das hiess Ische, genau, Ische hiess das). Was mich immer auf die Palme beamt sind Gören und Handys. Und Schlaghosen mit Kaltblueterhufen. Und überhaupt, schlecht sitzende Hosen... Hosen in denen sogar Magersüchtige verfettet aussehen... ach wie lob ich mir die Semesterferien, die ganzen hoffnungsvollen Jung-Arbeitslosen hängen wieder bei Tüp oder Ische oder Muttern oder Daddy ab, damit ihnen irgendeiner die neue Handykarte von der Tanke bezahlt - was sind die eigentlich jetzt? "ultra", "korrekt", "supi", oder was braucht man jetzt an Vokabular, um endlos laut nichts zu sagen? Keiner kennt mehr den Anhalter! Entsetzen machte sich auf meinem Gesichtsderivat breit, als zwei neue junge (18 und 26) Zeichnerinnen fuer den RattGeber allen Ernstes _fragten_, ob das ne Bildungslücke waere wenn man das nicht kennen würde?? Die kennen das nicht, das Jungvolk gackert ohne Anhalter auf den Parties rum!

Wir brauchen: "Per Discobus / Anrufsammeltaxi durch die Galaxis". Kleine blaue Scheine sind nicht unglücklich, Armbanduhren out. Fahrradfaxgeräte die sogar aufm Autodach bei 249 km/h telefonieren können, selbstwarnende Vibrator-Alarmanlagen für gegen Bilderklau sinds heute. Und Telefonguthaben bei der Tankstelle. Alles dreht sich heute um Tankstelle. Bewegungsmelder und SPALT-Tabletten mit Klettverschluss, damits beim Knicken nicht bröselt und die Dosis versaut weil die Dinger so viel Kalorien haben dass die Tunnelzughosen bei minimal zu viel besonders am Fussende maximal zu eng werden. Stretch gilt nur noch wenn man darin wie unverschiebbar eingerollt aussieht. Keine Ahnung worüber Frau von heute so redet - aber nach einigen Gesprächen auf dem Mensaweg, die zufällig in die gleiche Richtung gingen wie ich (scheisse, son Walkman mit Freiwilliger Lautstärkekontrolle!!) reden sie über den gleichen Stuss wie immer - Kontrazeptive, Tüppen und Wenn ich mal intelligent bin. Oder *gackergacker* Aussehen der nicht anwesenden besten Freundin. Gleicherart belauscht die Tüppen: unterhalten sich über stinklangweilige Sachen wie Busfahrplaene, CAD-as-CAD-can, Spocht, Wenn ich mal blond bin.

Alles dasselbe, gehste mittm Pürierstab durch, wirste das langweiligsteHäppäppää-Einerlei der Sprache auf deinen Teller ausgekotzt sehen, was jemals in oszillierendem rosagrünlich und schillerndem gelbgrau serviert wurde. Das sind alles junge Leute, hoffnungsvolle Nachwurst-Wissenschaffer, frisch und unverbraucht - und ohne eigenes Aroma. Merkt man daran, dass man alt wird? Dass die jungen Themen so unglaublich schnöde werden? Sind meine Hormone versiegt, weil ich nicht mehr mitfiebere, wenn die Ixx'n'achtzigste leicht übergewichtige in Tunnelzughosen und bauchnabelfreien Roellchenstretch hineingewurstete Kunstblondöse der ihr zur rechten trottenden sportpsychomageren fluffijackentragenden Kaltblutstute mit Kummet-Rucksack erklaert, dass sie bei diesem blonden Florian, den sie sooo irre knuddelig findet, zu fiepen anfangen könnte?

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Unheimliche Begegnung im Büro
Die Frau als Boss

Nun langts, jetzt reichts, jetzt werfe ich hier aber den Kram hin! Die Zahl der unheimlichen Begegnungen mit meiner Vorgesetzten hat so dramatisch zugenommen, dass an gesunden Schlaf im Büro kaum noch zu denken ist, obwohl sie einen wirklich so sehr langweilt, dass man fast geneigt ist, zu entschlafen. Ihr könnt es Euch nicht ausmalen. Man kann es auch nicht beschreiben, man muss es erlebt haben. Dennoch mache ich den Versuch einer, wie immer, sachlichen Darstellung: Man muss es sich so vorstellen: Die Tür geht auf, ein mit Polyesterperücke billigster Machart verziertes hutzeliges Weiblein, das entfernt an die Kräuterfrauen von altdeutschen Märkten aus dem ausgehenden 17. Jahrhundert erinnert, steckt zunächst nur sein Köpflein in den Raum. Es folgen umständlichen Befragungen im Stil: "störe ich Sie gerade? ich meine, ich könnte wirklich auch später vorbeikommen, wenn Sie gerade... also, das soll heissen, falls Sie gerade mit etwas anderem... es ist nämlich so, dass es wirklich nicht jetzt sein muss, ich bin wirklich nicht in Eile... auf der anderen Seite würde ich aber schon gerne heute irgendwann noch mit Ihnen darüber reden, denn...." Sobald ich ein Wort dazwischenbringe haue ich ihr meine Beteuerung um die Ohren, dass es mir schon recht sei, gelegentlich im Büro auch dienstliche Dinge zu diskutieren und ich dafür ja auch - Ironie, Irona, Ironorum - verschwenderisch bezahlt wuerde. Darob erschrickt das Hutzelweiblein, zieht den Kopf schon halb zurück, denkt sichtlich angestrengt über den Sinn meiner Worte nach, kommt schliesslich darauf, dass ich, obwohl Beamter, eventuell einen Witz gemacht haben könnte, kriegt rote Flecken im Gesicht, blickt verlegen und sichtlich peinlich berührt dreimal von links nach rechts, holt tief Atem, quält sich ein von sieben bis acht (je nach Tagesform) aeh umrahmtes Lächeln ab, fährt den Kopf wieder einige Zentimeter aus, zeigt uns die ganze Schönheit eines faltigen Halses und zerstört, just in dem Moment, als mir das Stichwort Galapagos einfällt, die Illusion, indem sie nicht einen Echsenkörper sondern ein in guinessbuchverdächtig altmodisches Tuch gehülltes Gerippe in mein Zimmer schiebt. Ich beginne mich zu fragen, woher dieses störende Nebengeräusch kommt, suche nach einem in meinem Schrank versteckten Bienenstock und horche mein Computer mit dem Stethoskop auf Lungenemphysem ab, als ich plötzlich bemerke, dass sich zwischen zwei besonders hässlichen Falten auf der Frontseite des Hutzelweibleins ein von Za ehnen in ausgesuchten Schwarztönen eingerahmter Sprechkanal geöffnet hat und dass Sie in weniger als unterer Zimmerlautstärke auf mich einredet. Meine Abschaltautomatik lässt mich erst einmal fünf Minuten weghören - ist es doch so wie in den späteren Derrickfolgen, dass nämlich die wesentlicheren Inhalte, des im grossen und ganzen sinnlosen Monologs sich in etwa diesem Zeithorizont zu wiederholen beginnen und der erste Durchgang häufig noch etwas holprig ist, ja eher der Einkreisung des Themas als dessen Behandlung dient, man ihn insofern getrost auslassen kann. Irgendwann klinke ich mich wieder ein - die Kupplung ganz sanft kommen lassen - und es fliegen sogleich Fetzen wie "aber wie gesagt, wenn ich Ihnen gerade ungelegen komme..." oder "ich wollte nur schon einmal erwähnt haben, dass ich Sie da heute nachmittag auf eine Sache ansprechen möchte, damit Sie wissen, dass ich heute nachmittag auf Sie zukommen möchte" an mein Ohr. Gelegentlich ist der Ertrag eines solchen bis zu sechzigminütigen Monologes sogar mal etwas ähnliches wie ein Arbeitsauftrag, häufiger aber dient das Selbstgespräch vor Publikum dazu, sich originelle Begründungen fuer die eigene Unzuständigkeit (lat.: Inkompetentia) bzw. die Unzuständigkeit des ganzen von ihr zu verantwortenden Bereich, vulgo ihres Referates, einfallen zu lassen. Denn nur so kann man dem schrecklichsten Feind ausweichen, den man als Hutzelweibchen in der Verwaltung hat: Der Verantwortung. Wirklich nur so? Nein, es gibt noch einen anderen Weg und auch diesen beschreitet sie gerne: Absicherung durch Weiterleitung der Verantwortung an Vorgesetzte. So besteht ein beträchtlicher Teil der Arbeit der von ihr geleiteten Arbeitseinheit darin, Sachstände für Vorgesetzte zu Papier zu bringen, damit diese sodann die Dinge entscheiden koennen, mit denen sie sich eigentlich wegen Geringfügigkeit gar nicht belästigt sehen wollen. Muss ich noch erwähnen, dass diese Sachstände, zur Rundumabsicherung gegen den o.g. Feind so ausführlich wie möglich abzufassen sind (Standardfrage: Ist auch alles abgedeckt?)? Und muss ich sagen, dass in dem Moment, wo ich dezidierten Widerspruch erhebe und erkläre: "nein, nein, hier ist das wirklich nicht nötig, das können wir doch selbst unbürokratisch (welch garstig Wort) und auf die Schnelle loesen" ein an Grausamkeit kaum zu ueberbietender Kampf in unserem Hutzelweiblein zu toben beginnt? Zwei Naturgewalten prallen aufeinander, nämlich die Angst vor der Veranwortung (hier links im Bild) und die Hemmungen einer Brachial-Friede-Freude-Eierkuchen-Bäckerin, einen Untergebenen durch Weisung zu etwas zu zwingen (rechts im Vordergrund sehr schön zu erkennen). Wie der Kampf ausgeht habe ich in der Hand. Denn je nachdem wie apodiktisch ich bin, traut sie sich oder traut sie sich nicht, eine solche Weisung zu geben. Das nenne ich Führungsstärke!!!

Dennoch arbeitet die von ihr geleitete Arbeitseinheit mit dreieinhalb Personen Belegschaft überaus effizient. Habe ich schon die Geschichte mit der Postkarte erzählt? Ich hoffe nicht, denn sie ist zu schön, als dass ich es mir verkneifen könnte, sie hier zum besten zu geben. Es begab sich zu der Zeit da Johannes Landpfleger ward... Ein Kollege, der zuletzt bei einer internationalen Organisation beschäftigt war, sollte in den wohlerschlafenen Ruhestand gehen. Zum Abschied, so beschloss meine Knitterlady, müsse ihm eine Postkarte geschrieben werden. Natürlich konnte sie diesen Sachverhalt nicht so knapp auf den Punkt bringen. Vielmehr begann das übliche Ritual: abendfüllender Monolog zur wichtigen Frage, ob sie gerade gelegen komme, dann Hinweis auf den Ursprung des Problems irgendwo in der Schöpfungsgeschichte, kurzes Beleuchten der Zusammenhänge mit der französischen Revolution, mit der Geschichte der Menstruation, mit dem Tod von Lady Die und, und, und, ehe irgendwann der Sachverhalt fast erreicht ist. Nur Mut, nur Mut, dachte ich, und tatsächlich, sie wagte es: "Ich dachte nur, vielleicht, also jetzt in Anbetracht dessen, dass wir immer ganz gut zusammengearbeitet haben, wäre es doch nicht unangemessen, aber ich wollte dazu erst Ihre Meinung hören, wenn wir vielleicht doch Herrn X zu seinem Ausscheiden eine kleine Karte, also aber nur wenn Sie nicht meinen, dass das vielleicht zuviel oder zu aufdringlich...." "Nein, nein," beeilte ich mich, den untauglichen Versuch einer Abkuerzung des Gesprächs fortzusetzen, "herzlich gerne, er hat es wirklich verdient". "Ja , also dann, wegen des Prozedere", fuhr sie ungewohnt dynamisch fort, "ich dachte, wir machen es vielleicht so, dass jeder von uns dreien sich erst einmal etwas ueberlegt und dass wir uns dann im Laufe des Nachmittags zusammensetzen und kurz zusammentragen, was uns eingefallen ist, so dass wir dann überlegen können, wie wir das am besten abfassen..." Ich gestehe, dass mir trotz eines geschlagenen Jahres leidvoller Erfahrungen mit der Gerontin in diesem Moment ein wenig die Worte fehlten. So nickte ich nur, schrieb schnell einen geeigneten Text und mailte ihn ihr in der sicheren Gewissheit, dass sie, die ja ohnehin nicht recht weiss, wie das Mailsystem funktioniert, den Text nicht entdecken würde, noch es wagen, mich zur Eile anzutreiben, folglich erst in letzter Sekunde mit vorwurfsvollem Blick auf mich zukommen wuerde und dann meine feierlich Exculpation unter Hinweis auf die bereits vor Stunden abgesetzte E-mail entgegennehmen müssen wuerde, deren Text sie dann - aus Zeitmangel - ungeschnitten übernehmen müssen wuerde. Und so kams, doch hat sie insgesamt etwa drei Stunden darüber gebruüet, auch um sich zu überlegen, wie die Karte nun am besten zu versenden sei, wann der geeignetste Zeitpunkt wäre, sie zur Post zu bringen, wer die schönste Schrift habe, um den text auf der Karte aufzubringen oder ob es nich tauch mit Computerausdruck zu bewerkstelligen sei und wieviele Buchstaben der Text maximal haben duerfe, damit er noch auf die Karte passe ("ich mess das mal schnell aus"). Das nenne ich effizient. Und ich schwöre es - es hat sich wirklich zugetragen. Vor solchen Ereignissen kapituliert der Satiriker, das Leben schreibt einfach die besten Stories...

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B.L.Ö.D. setzt Wende in der Energiepolitik durch
Witwenverbrennung als alternative Energiequelle

”Es ist mittlerweile gesamtgesellschaftlicher Konsens, daß im Zeitalter von Globalisierung und multisektoraler Interdependenz eine verspartende Betrachtungsweise politischer Probleme nicht mehr sachgerecht ist.” Von dieser Erkenntnis ausgehend, legte der populäre Frauenforscher und Präsident des Bundesamtes für Lästerei und Öffentliche Demanzipation (B.L.Ö.D.), Nick Igel, kürzlich in einem Vortrag an der Fernuniversität Clausthal-Zellerfeld dar, daß sich bei geschicktem Aufbau eines konsistenten Gesamtkonzepts selbst so unterschiedliche politische Probleme wie die Reform des Rentenversicherungssystems und der Umbau des Energiesektors mit einer einzigen guten Idee einer befriedigenden Lösung zuführen lassen. ”Mein Ausgangspunkt” betonte der bescheidene Wissenschaftler, ”war natürlich von meinen demanzipatorischen Erfahrungen im B.L.Ö.D. geprägt. So ist mir schon vor Jahren aufgefallen, wie unverhältnismäßig stark der Staatshaushalt durch die – auch vom Bundeskanzler immer wieder tadelnd angesprochenen – gesamtgesellschaftlich weitgehend nutzlosen Witwenrenten belastet wird. Gleichzeitig müssen wir nun feststellen, daß für einen Ausstieg aus der Kernenergie nicht nur kein Geld übrig ist, sondern uns auch kaum alternative Energiequellen zur Verfügung stehen. Was läge also näher, als in dieser Situation zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und über das in Indien bereits mit großem Erfolg praktizierte Verfahren der Witwenverbrennung den Einstieg in die Frau als Energiequelle zu suchen und damit automatisch auch die Sozialversicherungssysteme zu entlasten? Nach ersten Berechnungen würden die Rentenkassen jährlich 30 Milliarden DM einsparen, während wir – bei Verfeuerung in modernen Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung – mindestens 30 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten bisher in Atomreaktoren erzeugter Energie durch Witwenenergie ersetzen könnten.” Gesellschaftliche Akzeptanz für dieses Modell zu finden, dürfte nach Einschätzung des sympathischen Forschers kaum ein Problem sein, da man sich an den historischen Brauch der Hexenverbrennung anlehnen könne. Man müsse zur Wahrung des deutschen Standortvorteils im internationalen Wettbewerb lediglich vermeiden, auf das in Indien noch angewandte veraltete Verfahren der Sperrholzscheiterhaufenröstung zurückzugreifen, das angesichts der anästhesielosen Verbrennung immer wieder zu unerwünschten Lärmemissionen, soll heißen zu massiver Belästigung der Bevölkerung durch die Schreie unbeherrschterer Witwen führe. ”Das Beste ist”, beschloß Igel seine Ausführungen, ”daß die Grünen bereits volle Unterstützung zugesagt haben und uns ausnahmsweise nicht einmal Herr Trittin in die Quere kommen wird. Wir mußten nur versprechen, Mikrofilter und CO2-reduktive Hochtemperaturtechnologie einzusetzen, um die Verbrennungsprozesse ökologisch verträglich zu gestalten. So richtig überzeugt waren die Grünen allerdings erst, als ich sie darauf aufmerksam machte, daß bei der Witwenverbrennung auch die uneingeschränkte Nachhaltigkeit der Energiequelle gesichert sei.”

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Putz-ige Idee der Grünen
Männer im Haushalt?

Es dürfte inzwischen Allgemeingut sein, daß die Politik der rot-grünen Bundesregierung in den ersten acht Monaten ihrer Amtszeit ähnlich heilsbringend und kaum amüsanter als ein Hodenkrampf gewesen ist. Dennoch lassen die tapferen Polit-Azubis aus dem Kabinett keine Gelegenheit aus, den staunenden Bürger mit tollkühnen neuen Ideen zu beeindrucken. Keine Woche vergeht, in der nicht ein zuvor nie für möglich gehaltener Glanzpunkt gesetzt wird. Die Bevölkerung tobt, der Unmut steigt. Das beweist auch eine in der HEISS&FETTIG - Redaktion Bonn durchgeführte Zufallsumfrage zur Initiative der Bündnisgrünen, künftig alle Männer gesetzlich zur Hausarbeit zu verpflichten. So verriet uns Yolanda Yablonski, eine Mitbürgerin polnischer Herkunft, die mit viel Liebe aber ohne Lohnsteuerkarte und gegen dementsprechend geringes Entgelt unsere Redaktionsbüros zu reinigen beliebt: "Rolle von Mann is nicht putze, Rolle von Mann is gehe Arbeit, gehe Kneipe, gehe Frau zuhaus nicht auf Nerve!" Moritz Freiherr von der Waldruh (Name gerinfügig geändert, die Red.), Diplomat im Auswärtigen Amt, erklärte gar: "Es wird gegenüber ausländischen Besuchern langsam peinlich. Immer öfter kommt es vor, daß Bundesminister Joseph Fischer nicht in seiner Amtsstube anzutreffen ist, weil er vom Personalrat und der Frauenbeauftragten gezwungen wird, in der Kantine die Teller abzuwaschen. Er soll sogar schon dabei gesehen worden sein, wie er am Wochenende die Diensttoiletten feucht durchgewischt hat." Alfred Biolek, der zufällig auf einen Sprung bei seinen Freunden von HEISS&FETTIG hereingeschaut hatte, gab sich ebenfalls besorgt: "In einer heterosexuellen Beziehung mag das ja noch angehen, wenn der Mann den Haushalt machen muß. Aber was ist mit den anderen Partnerschaften? Wer putzt bei den Lesben, in deren Haushalt es gar keine Männer gibt? Und werden sich die Schwulen die Köpfe einschlagen, wer von beiden putzen darf? Hier hat der Gesetzgeber offenbar zu kurz gegriffen - vielleicht wäre es eine Lösung, wenn von jedem Schwulenpärchen je einer der beiden Männer in eine Lesbenwohnung zur Haushaltsführung abkommandiert wird..." Auch Prinz Frederic von Anhalt-Gabor, der sich anläßlich der in den Redaktionsräumen durchgeführten Wahl zur Miss Wet-T-Shirt/Bad Godesberg bei HEISS&FETTIG aufhielt, tat uns spontan sein persönliches Partnerschaftsverständnis kund: "Wenn ich heirate, dann doch nicht um zu putzen! Ich halte mir meine Frau doch nur, damit sie von den Medien beleidigt wird, ich Schadensersatzprozesse führen kann und von den eingeklagten Geldern gut leben kann!" Noch ist offen, wie die Bundesregierung auf diese niederschmetternden Kommentare reagieren wird. Insiderinformationen zufolge ist jedoch zu hoffen, daß - quasi als Panikreaktion - nun endlich die vom Bundesamt für Lästerei und Öffentliche Demanzipation (B.L.Ö.D.) erarbeiteten und ebenfalls bei HEISS&FETTIG nachzulesenden demanzipatorischen Programme zur Neubelebung und Reform unseres Staatswesens umgesetzt werden.

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