Fußball-EM 2004 Aktuell >>Archiv
   
 
Rücktritt als Teamchef beweist
Rudi Völler ist Sadist

Unmittelbar nach der Niederlage gegen Tschechien hatte Rudi Völler noch angekündigt, das frühe EM-Aus "demnächst in aller Ruhe" besprechen zu wollen. Zwölf Stunden später dann auf einmal der Paukenschlag. Rudi, von dem es nur einen gibt, tritt als Teamchef zurück und sorgt damit zum ersten Mal in seiner Karriere für eine wirkliche Überraschung.

Zugetraut hatte man ihm diesen Schritt vor allem deshalb nicht, weil es im Fußballgeschäft niemand anderen gibt, bei dem die Leidensfähigkeit derart weit entwickelt zu sein schien. Sich von Frank Rijkard anspucken lassen, ohne dem Holländer postwendend auf die Fresse zu hauen - Zuhause gegen England mit 1:5 zu verlieren, um sich anschließend schützend vor seine Mannschaft zu stellen - Mit Stürmern nach Portugal zu fahren, die gegen ernsthafte Gegner noch nie ins Tor getroffen haben: Das ist nur mit Masochismus zu erklären. Aber wie wir jetzt gesehen haben, ist Rudi zwar pervers, aber nicht in dieser Geschmacksrichtung. Er überlässt seinem Nachfolger die öffentliche Erwartung, Deutschland könne 2006 Weltmeister werden. Soll Ottmar Hitzfeld doch ruhig versuchen, aus dem Nichts und ohne irgendeinen Hoffungsschimmer eine wettbewerbsfähige Truppe aufzubauen. Auf jeden Fall eine Mission Impossible. Weshalb Rudi mit seinem Rücktritt endlich aufgedeckt hat, was hinter seiner Charaktermaske steckt: Nämlich bislang sehr erfolgreich verstecker Sadismus.

jg


Ursachenforschung leicht gemacht
Weshalb Deutschland bei der EM ausgeschieden ist

Aus! Vorbei! Trotz aufopferungsvollem Einsatz und übermenschlicher taktischer Disziplin ist es der DFB-Auswahl nicht gelungen, Tschechien im letzten Gruppenspiel niederzuringen. Nach neunzig Minuten hat es sogar eine 1:2-Niederlage gegeben, und Deutschland war damit zum zweiten Mal in Folge nach der Vorrunde einer EM ausgeschieden. Noch schneller als deutsche Nationalspieler jemals laufen können, sind nach Spielende auch bereits Gründe für diesen weiteren Misserfolg genannt worden. Gemeinsam ist diesen Analysen allerdings, dass sie samt und sonders nicht den Kern trennen. Es lag nicht daran, dass einfach zu wenige Tore geschossen worden sind, und auch nicht daran, dass es mit deutschen Tugenden allein nicht getan ist und fähige Spieler nicht auf den Bäumen wachsen. Entscheidend war vielmehr, dass Tschechien mit elf unverbrauchten Spielern aufgelaufen ist, gegen die das durch zwei Spiele überbeanspruchte deutsche Team nichts mehr entgegensetzen konnte.

jg


Nach der Verschwörung bei der WM
Komplott gegen Italien auch bei der EM

Anlässlich der WM 2002 haben die Fans der italienischen Nationalmannschaft ja bereits eine gigantische Verschwörung erdulden müssen. Wir erinnern uns: Nach diversen unberechtigten Abseitspfiffen und noch mehr verweigerten Elfmetern war es der internationalen Anti-Italien-Koalition schließlich im Achtelfinale gelungen, die Squadra Azzurra aus dem WM-Turnier zu kegeln. Nun geht es bei der EM weiter mit diesem Komplott. Die italienischen Nationalkicker können sich im letzten Gruppenspiel gegen Bulgarien noch so sehr anstrengen und völlig unerwartet noch so viele schöne Tore schießen. Es wird ihnen nichts nützen, wenn sich Dänemark und Schweden am dritten Spieltag auf ein 2:2 verständigen. Worauf man sich natürlich verlassen kann. Noch mehr aber darauf, dass die Mehrzahl der Italiener clevere Leute sind, die eine Verschwörung sofort als solche ausmachen. Und zwar auch dann, wenn ihnen dafür auch nach angestrengtem Nachdenken kein vernünftiger Grund einfällt.

Demnächst können Sie hier erfahren, weshalb man sich in Italien vehement gegen das neue Platzierungs-Reglement wehrt und wie man den fußballbegeisterten Teil der italienischen Bevölkerung (also alle Italiener) am zuverlässigsten ärgern kann.

jg


Sensation bei der Europameisterschaft
DFB-Auswahl trotz Lettland ein Remis ab

Grenzenloser Jubel in Deutschland! Durch eine sensationelle Energieleistung ist es der DFB-Auswahl gelungen, Lettland ein Unentschieden abzutrotzen. Bester Mannschaftsteil war ein weiteres Mal die Abwehr um Christian Wörns, der bei der letztjährigen Wahl zum Weltfußballer des Jahres nur ganz knapp von Zinedine Zidane geschlagen worden ist. Der Defensivabteilung ist es - anders als im Spiel gegen die Holländer - diesmal gelungen, keinen Gegentreffer zuzulassen. Ein Ergebnis, das auf jeden Fall Mut im Hinblick auf das letzte Gruppenspiel macht. Vielleicht gelingt in dieser Partie gegen Tschechien ja sogar ein weiteres Remis. Das Aushängeschild des deutschen Fußball würde damit erreichen, was ihm zuvor niemand zugetraut hat. Nämlich, sich ungeschlagen von der Europameisterschaft zu verabschieden.

jg


Was "Bild" bislang verschweigt
Die Wahrheit über Oliver Kahns Adi-Letten und Kote-Letten

Im Zusammenhang mit dem Spiel gegen Lettland verdankt der fußballinteressierte Teil der deutschen Bevölkerung "Bild" mal wieder eine wegweisende Entdeckung. Nämlich, dass Oliver Kahn mindestens zu einem Viertel Lette ist. Unverständlich ist zwar vor allem, dass sich der deutsche Nationaltorhüter daraufhin zu der Äußerung aufgefordert gefühlt hat, von seinem Stammbaum gehe keine Gefahr für die DFB-Auswahl aus. Ebenso wenig ist aber auch nachvollziehbar, dass "Bild" nicht noch eine Schippe draufgelegt hat. Schließlich bietet sich eine gewisse Form der Folgeberichterstattung doch geradezu an. Zum Beispiel darüber, dass Kahn nach dem Duschen in der Regel Adi-Letten trägt, er sich demnächst Kote-Letten wachsen lassen will, und das doch auch kein Zufall sein könne.

jg