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"Mit dem Zweiten sieht man besser
HEISS&FETTIG im Gespräch mit ZDF-Redakteur Willy Holzaufderheide

Für einige Verwirrung hat die neue Werbung des ZDF ( Slogan: "Mit dem Zweiten sieht man besser" ) gesorgt. Durch ein Interview mit dem stellvertretenden Leiter der Werbeabteilung des ZDF, Willy Holzaufderheide, versuchte HEISS&FETTIG ein wenig Licht in diese Kampagne zu bringen.


HEISS&FETTIG: Herr Holzaufderheide, was haben Sie sich eigentlich bei dieser Werbung gedacht?

Holzaufderheide: Was meinen Sie mit: "gedacht"?

HEISS&FETTIG: Naja, wen Sie damit im Auge gehabt haben.

Holzaufderheide: "Im Auge gehabt" - ha,ha - das ist gut! Aber im Ernst: "Fernsehen" kommt ja von Fern-Sehen. Da steckt ja das Wort "Sehen" drin.

HEISS&FETTIG: Stimmt!

Holzaufderheide: Und "Sehen" hat ja etwas mit den Augen zu tun.

HEISS&FETTIG: Genau!

Holzaufderheide: Also weisen die beiden Finger auf dem Auge darauf hin, dass man das Zweite "sehen" soll.

HEISS&FETTIG: Genial! Allerdings...

Holzaufderheide: Ja?

HEISS&FETTIG: Allerdings könnte der Betrachter auch auf andere Gedanken kommen...

Holzaufderheide: Welche denn?

HEISS&FETTIG: Zum Beispiel auf den Gedanken, dass das ZDF bei seiner Berichterstattung auch mal ein Auge zudrückt!

Holzaufderheide: Gott bewahre!

HEISS&FETTIG: Oder dass Hauser und Kienzle, politisch gesehen, entweder auf den rechten oder auf dem linken Auge blind sind!

Holzaufderheide: Niemals!

HEISS&FETTIG: Oder dass unter Blinden der Einäugige König ist!

Holzaufderheide: Das wollten wir damit eigentlich nicht ausdrücken, obwohl...

HEISS&FETTIG: Insgesamt haben wir den Eindruck, dass Ihre Werbung voll ins Auge gegangen ist...

Holzaufderheide: "Voll ins Auge" - ha, ha - das ist gut. Dann hat sie also doch noch ihren Zweck erreicht, ha,ha...

HEISS&FETTIG: Herr Holzaufderheide, wir danken Ihnen...

Holzaufderheide:...ha,ha - "voll ins Auge" - haha...

HEISS&FETTIG:...für das Gespräch.

hs


"End of Days"
HEISS&FETTIG im Gespräch mit Arnold Schwarzenegger

Der Hollywood-Mime Arnold Schwarzenegger tourt zur Zeit durch Europa, um die Werbetrommel für seinen neuen Film "End of Days" zu rühren. HEISS&FETTIG konnte folgendes Interview mit ihm ergattern.


HEISS&FETTIG: Herr Schwarzenegger...

Schwarzenegger: Arnie für Euch...

HEISS&FETTIG: Danke. Arnie, Ihr neuer Film wurde von der Kritik verrissen. Da ist von "tollpatschiger Ehrlichkeit und humorloser Witzigkeit des Filmhelden", "Bonsai-Fundamentalismus", "Sexualfeindlichkeit" und "Gewaltverherrlichung" sowie "lüsterner Geschmacklosigkeit" die Rede. Der Film sei voller spekulativer ultra-brutaler Szenen. Dürfen Ihre Kinder denn "End of Days" sehen?

Arnie: Um Gotteswillen, nein. Ich will doch nicht, dass sie von Alpträumen aufwachen.

HEISS&FETTIG: Sie sind wirklich ein wundervoller Vater, Arnie! Aber den anderen Kinogängern wollen Sie schon Alpträume verschaffen, damit die Kinokassen klingeln?

Arnie: Ja, mein Comeback musste ein Riesenknaller sein. Ich wollte der Welt zeigen, dass der Arnold nicht zu alt oder zu krank ist, um einen harten Actionfilm machen zu können.

HEISS&FETTIG: Das ist Ihnen auch vollständig gelungen. Worum geht es in dem Film?

Arnie: Sehen Sie, wir haben das brutalste Jahrhundert der Menschheit hinter uns. Mehr Menschen sind durch Waffengewalt umgekommen als jemals zuvor in der Geschichte. Dieser Film soll zeigen, dass in Zukunft Probleme nicht mit Waffen gelöst werden sollen.

HEISS&FETTIG: Dem können wir nur zustimmen! Und welche Lösung schlägt der Film für diese Probleme vor?

Arnie: Ich werfe die Waffe weg und suche Kraft durch Glauben und innere Stärke.

HEISS&FETTIG Tolle Idee! Darauf ist ja noch nie jemand gekommen. Aber jetzt vom Film zur Wirklichkeit. Ist es dort ebenfalls so?

Arnie: Man erlebt es doch jeden Tag. Steht man vor einer Entscheidung, sagt der Teufel auf der einen Schulter: "Mach's, auch wenn es unmoralisch ist", und auf der anderen Schulter sagt ein Engel: "Geh Deinen geraden Weg, bleib anständig". Der Teufel ist verführerisch, er verspricht schnelle Lösungen und Fun.

HEISS&FETTIG: Davon können gerade wir ein Lied singen! Bisher hat ja leider noch niemand dieses Problem lösen können. Ist das der Grund, warum Sie in die Politik gehen wollen?

Arnie: Ich bin stark an Politik interessiert. Ich könnte sehr viel für Kalifornien leisten, da bin ich mir sicher. Ganz bestimmt mehr als die derzeitige Landesregierung.

HEISS&FETTIG: Wäre das Ihr Traumberuf?

Arnie: Mein Traumberuf wäre die rechte Hand Gottes.

HEISS&FETTIG: Amen!


Alle Antworten Arnold Schwarzeneggers sind Originalzitate.

hs


"Der Landwirtschaftsminister darf auch mal ein Bäuerchen machen
"HEISS&FETTIG im Gespräch mit Karl-Heinz Funke

Wer hätte das gedacht: Landwirtschaftsminister Funke hat sich nach Abschluß der Verhandlungen über die Agenda 2000 spontan die Zeit genommen, zu einem Redaktionsbesuch bei HEISS&FETTIG vorbeizuschauen. Während der Pegelstand im eigens herangecaterten Zwanzigliterfaß Früh-Kölsch im Verlaufe des Abends zügig abnahm, legte der Minister immer menschlichere Züge an den Tag und ließ sich zu einigen hochbrisanten politischen Aussagen hinreißen. Natürlich verpflichten uns das journalistische Ethos und unser grundgesetzlicher Auftrag zur Information der Öffentlichkeit, auch die Gesprächspassagen zu veröffentlichen, bei denen alle Beteiligten sich bereits in einem komaähnlichen Vollrauschzustand befanden - in Alkohol liegt schließlich die Wahrheit.


HEISS&FETTIG: Herr Minister, wir freuen uns, daß Sie sich die Zeit genommen haben, uns einmal in unserer Redaktion zu besuchen.

Funke (trinkt einen Schluck): Kein Problem. Ich habe genug Zeit. Die meisten Medienvertreter möchten eh nicht mit mir reden. Und wenn mal jemand ein Interview will, dann nur, weil man mich mit Bodo Hombach verwechselt.

HEISS&FETTIG (mitfühlend): Das klingt ein wenig frustriert?

Funke (trinkt einen Schluck): Ja was glauben Sie denn? Meinen Sie ich bin gern Landwirtschaftsminister? Den ganzen Tag mit Bauern verhandeln? Wo die doch so streng riechen! Und wie die aussehen! Als hätten ihre Mütter sich alle von der Schweinebesamungsstation Weser/Ems befruchten lassen. Ich wollte den Job nie haben.

HEISS&FETTIG (erstaunt): Wie?

Funke (sichtlich erbost, jedoch nicht zu sehr, um nicht noch einen tiefen Schluck nehmen zu können): Na sicher. Schröder hatte mir versprochen, daß ich Minister für Oralverkehr und Sahnetorte werde, und dann haben wir ein paar Flaschen Klaren klar gemacht, und als ich meinen Rausch ausgeschlafen hatte, drückte mir gerade ein freundlicher weißhaariger älterer Herr meine Ernennungsurkunde für das Landwirtschaftsressort in die Hand. Ich hätt´ ihm eine schallern können.

HEISS&FETTIG (vorwurfsvoll): Es ist aber doch eine Ehre, sich für die deutschen Bauern einsetzen zu dürfen!

Funke (trinkt eine Schluck und macht ein Bäuerchen): Für die Bauern. So ein Unfug. Die Kerle konnte ich noch nie leiden! Wissen Sie eigentlich, was los ist mit der deutschen Landwirtschaft? Die Typen müssen nur ein wenig jammern - aua, aua, wir verdienen nicht genug, was soll nur aus uns werden - und schon schüttet irgend so ein Brüsseler EU-Kommissar ein paar Fantastilliarden an Subventionen über ihnen aus. Wenn sich in anderen Branchen ein Unternehmen nicht mehr rechnet, geht der Betrieb einfach pleite. Normal, das ist eben Marktwirtschaft. Aber die Bauernhöfe, die müssen wir künstlich am Leben halten, mit 40 Milliarden im Jahre, das ist eben Landwirtschaft, na herzlichen Dank! Die bekommen mehr Subventionen als alle Arbeiter von Kohle, Stahl und Werften zusammen.

HEISS&FETTIG (verwundert): Ja aber die Bauern züchten schließlich jede Menge nützlicher Tiere und versorgen uns mit wichtigen Grundnahrungsmitteln...

Funke (läßt einen fahren und schenkt sich nach): Das halte ich aber für ein Gerücht! Die Milch, die Butter und das meiste Fleisch werden doch von der EU vernichtet und durch billige Importe ersetzt. Das einzige was unsere Bauern noch mit Erfolg züchten, sind Krankheitserreger wie Rinderwahn, Schweinepest, Salmonellen und das Zeug, mit dem sich Scharping am Anfang seiner Politkarriere angesteckt hat.

HEISS&FETTIG (vorwitzig): Sie haben die neuen multiresistenten Bakterien vergessen, an denen die Leute schon bald wie die Fliegen sterben werden. Die sind ja wohl dadurch entstanden, daß die Bauern Antibiotika ins Tierfutter gemischt haben, oder?

Funke (entfernt fachmännisch einen Popel aus dem linken Nasenloch, betrachtet ihn und vertilgt ihn schließlich, spült einen Schluck Bier hinterher): Stimmt, hab´ ich glatt nicht dran gedacht (kichert), wenn man so darüber nachdenkt, gehören die Bauern eigentlich alle erschossen.

HEISS&FETTIG (provozierend): Reden sie doch mal mit Herrn Milosevic, vielleicht hat der noch ein paar Fachleute frei, die er Ihnen leihen kann.

Funke (trinkt zur Abwechslung noch einen Schluck): Wollte ich ja, aber da ist mir Scharping in die Parade gefahren, von wegen das müsse die Bundeswehr übernehmen, die dürfe das jetzt und so weiter. Also ehrlich, seit der das mit der Krankheit hat, bringt er es auch nicht mehr. Wir haben dann im Kabinett beraten und beschlossen, die Bauern einfach zu verbieten.

HEISS&FETTIG (schockiert): Wie bitte?

Funke (öffnet sich den Hosenstall und versucht in Richtung WC zu gehen, fällt jedoch nach zwei Schritten hin): Na klar, meine Juristen sitzen gerade drüber. Wir machen einen neuen Straftatbestand, so etwa: "Wer nach Misthaufen stinkt, aussieht wie ein Dorftrottel, nutzlose Nahrungsmittel herstellt und mit Pestiziden die Böden und Flüsse kaputtmacht, wird mit Monika Wulff-Matthies nicht unter fünf Jahren bestraft."

HEISS&FETTIG (resümierend): Herr Funke, glauben Sie wirklich, daß Sie so ungeeignet für Ihr Amt sind?

Funke (undeutlicher werdend): Was weiß ich, habt Ihr noch von dem Stöffchen?

HEISS&FETTIG: Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Funke (nuschelnd): Ich danke Ihnen für dieses Gesöff!

ni


So laßt uns dann ein Apfelweinchen trinken
HEISS&FETTIG im Gespräch mit Jürgen Trittin

Mit viel Geschick hat sich Jürgen Trittin, Minister für Umwelt, Naturschutz und Krötenwanderung, im letzten Monat im ZDF-Politbarometer den Spitzenplatz auf der Rangliste der unbeliebtesten Politiker erobert. Mit einem Wert vom minus 1,6 Sympahiepunkten rangierte er noch vor Gregor Gysi (minus 0,9) und erzielte sogar das schlechteste Ergebnis, das seit Einführung der Umfragen gemessen wurde. Selbst Josef Stalin war in den fünfziger Jahren nie über minus 1,2 hinausgekommen. So ist Trittin als idealtypischer "bad guy" kaum ein halbes Jahr nach Amtsantritt bereits zum politischen Kultobjekt, zum Megastar und Nebenkanzler geworden. Täglich wird sein Ministerium von Groupies in Batikhemden belagert, die Teenies reißen sich um seine Autogramme, der Trittinlook mit Dreiteiler, Breitscheitel und Rotzbremse beherrscht die Innenstädte, auch Frauen versuchen, sich mittels extensiven Hormondopings und durch Einnahme gentechnisch veränderter Nahrungsmittel den bereits mit copyright geschützten Trittin-Schnäuzer wachsen zu lassen. Wo aber liegen die Ursachen für die enorme Popularität des exzentrischen Reformpolitikers? Ist es die gewählte Ausdrucksweise, das zurückhaltende Auftreten oder die überzeugende Programmatik? HEISS&FETTIG hat in einem zwischen Tür(keiurlaub) und Angel(ausflug) des grünen Anchormans geführten exklusiven Kurzinterview versucht, das Erfolgsgeheimnis zu lüften. Lesen Sie hier einige Auszüge:


HEISS&FETTIG: Guten Tag, Herr Trittin!

Trittin (höflich, leise): Tag, Ihr Arschgeigen!

HEISS&FETTIG: Herr Bundesminister, in den letzten Monaten haben Sie reichlich Gegenwind bekommen. Klassische grüne Positionen konnten nicht oder kaum durchgesetzt werden, die Ökosteuer wurde nur halbherzig umgesetzt, Sie sind überdies wegen einiger Alleingänge stark in die Kritik geraten und beim NATO-Bombardement des Kosovo scheinen Sie selbst nicht ganz zu wissen, was Sie wollen. Wie sieht Ihre Bilanz nach sechs Monaten rot-grüner Regierung aus?

Trittin (zurückhaltend und fast flüsternd): Geht mir nicht auf den Sack, Ihr Wichser! Wir haben doch auch tolle Erfolge vorzuweisen. Wir haben die Bordelle im Regierungsviertel von der Vergnügungssteuer befreit, ein Bundesamt für Jägermeister und Haschzigarren eingerichtet und das, was Ihr Arschgesichter als Bombardierung des Kosovo bezeichnet, ist doch nur die kostengünstige Entsorgung von Sprengkörpern - Abrüstung sozusagen, eine politische Kernforderung meiner Fraktion.

HEISS&FETTIG: Natürlich, das leuchtet ein, aber was ist mit dem Atomausstieg? Da haben Sie doch versagt? Oder sollen wir die Kernkraftwerke etwa auch auf das Amselfeld abwerfen?

Trittin (bescheiden): Hört mal her, Ihr Trockenfurzer, worauf wollt Ihr eigentlich hinaus? Bei dem Minimum an Strahlung, das von deutschen Kraftwerken ausgeht, sollten wir uns doch keine Sorgen machen. Stellt Euch doch mal vor, die Dinger würden tatsächlich abgeschaltet. Womit sollten die Grünen dann noch Wahlkampf machen? Da ist es mir lieber, die Reaktoren laufen weiter - und wenn doch mal einer hochgeht, haben wir im nächsten Bundestag eine absolute Mehrheit.

HEISS&FETTIG: Glauben Sie nicht, daß Sie mit solchen Aussagen Ihre Position innerhalb der Partei schwächen, ja im Zweifel sogar Ihren Kabinettssessel gefährden?

Trittin (nachdenklich und zuvorkommend): Ich verrate Euch mal was, Ihr Flachpfeifen, das muß aber unter uns bleiben: Habt Ihr denn immer noch nicht gemerkt, daß ich seit der Übernahme meines Amtes auf meinen Rauswurf hinarbeite? Denn im Moment gibt es für entlassene Minister noch dicke Übergangsgelder und Pensionen. Das will der Schröder, dieser Dreckskerl, aber abschaffen. Ich muß mich also ganz schnell so unbeliebt machen, daß ich noch rechtzeitig den Abgang schaffe und mich zur Ruhe setzen kann.

HEISS&FETTIG: Herr Trittin, einen so integeren und ehrlichen Politiker trifft man selten, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Trittin (freundlich): Ach, leckt mich doch am Arsch!

ni


Ansichten eines Clowns
HEISS&FETTIG im Gespräch mit Gerhard Schröder

Fast wäre den Mitarbeitern unserer Bonner Redaktion das Herz in die Hose gerutscht, als der sonst eher als medienschau geltende Bundeskanzler und frischgebackene SPD-Parteivorsitzende Gerhard Schröder nach überstandenem Sonderparteitag am späten Abend noch bei HEISS&FETTIG hereinschneite. Bei ein paar dicken Cohibas aus dem sozialistischen Bruderland Kuba und einigen schmackhaften Hanfprodukten aus unserer Asservatenkammer entspannte sich die Atmosphäre jedoch sofort wieder und kam man zwanglos ins Gespräch. So konnten wir dem Kanzler einige packende Details seines Arbeitsprogramms entlocken:


HEISS&FETTIG: Herr Schröder, nach einem furiosen Wahlkampf, in dem Ihnen die Medien "aus der Hand gefressen" haben, mehrt sich inzwischen die Kritik an Ihrer Amtsführung, die von vielen als oberflächlich und publicitysüchtig bezeichnet wird. Werden Sie sich denn wenigstens als SPD-Chef intensiver mit Sachfragen auseinandersetzen?

Schröder (betrachtet seinen neuen Baldessarini-Anzug im Spiegel): Ja gut, ich sach mal, mit Kritik muß man als Kanzler natürlich auch ein Stück weit umgehen können. Das ist sogar ganz natürlich, und in einer Demokratie gehört sowas sicher auch dazu. Aber wir sprechen selbstverständlich in den Gremien sehr genau über solche Fragen und ich bin sehr zuversichtlich, daß wir - und das ist mir besonders wichtig, denn Willy Brandt hat einmal gesagt...

HEISS&FETTIG (unterbricht genervt): Herr Schröder! Bitte! Wir wollen wirklich nur wissen, ob Sie jetzt tiefer in die inhaltlichen Fragen einsteigen.

Schröder (schaut noch einmal in den Spiegel, überprüft den Sitz seiner Frisur): Ja, ja, schon gut. Also, das einzige wo ich richtig einsteige, das ist mein Audi, denn dafür zahlt mir VW viel Geld. Und was die Kritik der Journalisten angeht, nun, der wird die SPD mit einer ganz neuen Medienoffensive begegnen.

HEISS&FETTIG (nimmt Schröder den Spiegel aus der Hand): Also mehr statt weniger Schröder im Fernsehen?

Schröder (legt etwas Rouge auf und färbt beiläufig das Deckhaar nach): Yep! Und dazu will ich die SPD-Programmkommission in einen "Club der roten Dichter" umfunktionieren. Denn sind wir doch mal ehrlich: Wir Sozialdemokraten haben doch von Staatsführung keine Ahnung. Oder wann wäre denn aus einem Sozialisten je wirtschaftlicher Sachverstand gekommen? Wenn wir also unsere Inhalte dem Wähler vermitteln wollen, geht das nur mit einer gepflegten Märchenstunde. Schade eigentlich, daß Oskar hingeschmissen hat, als Fabeldichter hätte der seinen französischen Namensvetter La Fontaine glatt übertrumpft.

HEISS&FETTIG: Und was bringt die Medienoffensive noch?

Schröder (tuscht sich gekonnt die Wimpern): Nun, ich sach mal, viele Sozialdemokraten haben ja durchaus das Talent, Menschen zu unterhalten. Ich will daher das Kabinett möglichst flächendeckend im Fernsehen einsetzen.

HEISS&FETTIG (entsetzt): Ach?

Schröder (nimmt den Spiegel wieder an sich): Ja, Scharping zum Beispiel macht das Sandmännchen - eigentlich wollte er Dalli Dalli, aber das hat der Parteitag nicht mitgetragen. Hombach, Funke und die Grüne Gesundheitsministerin Fischer bekommen aus gegebenen Anlaß die "Dicken Dinger", Müntefering kriegt "Pop of the Tops" und Hertha Däubler-Gmelin, der mein Freund Leo Kirch leider nicht erlaubt hat, "Peep" zu übernehmen, wird in meiner neuen Sendung, dem Glücksrad, die Buchstaben umdrehen, kleiner Hinweis auf ihre Karriere als Rechtsverdreherin, haha.

HEISS&FETTIG (beantragt verzweifelt schon mal ein Premiere-Abo): Sie wären doch nicht Schröder, wenn die Übernahme des Parteivorsitzes Ihnen nicht auch ganz persönliche Vorteile brächte. Was springt für Sie bei der Sache heraus?

Schröder (onduliert sich sanft die Augenbrauen nach): Das bleibt jetzt aber unter uns: Die Zigarrensteuer und vor allem die Zweitfrauensteuer werden abgeschafft. Außerdem lasse ich mir spätestens nach dem Regierungsumzug auf Parteikosten eine leistungsfähigere Phrasendreschmaschine ins Kanzleramt stellen.

HEISS&FETTIG: Stichwort Regierungsumzug, wie sehen Sie diese Problematik

Schröder (zückt einen Cajalstift): Na wenn der Kanzler umzieht, legt er Hugo Boss ab und Armani an, hahaha, toller Witz, oder?

HEISS&FETTIG (sichtlich beeindruckt, mit welcher Ernsthaftigkeit der Kanzler auch kniffligste Probleme zu lösen versteht): Und Ihre weiteren Pläne als Parteivorsitzender?

Schröder (winkt eine Maniküre heran und trägt Klarlack auf seine Fingernägel auf): Helmut Kohl hat einmal gesagt, wer Kanzler bleiben wolle, müsse auch Parteivorsitzender sein. Aber auch das scheint nicht zu reichen, denn selbst Kohl wurde abgewählt. Ich sollte zur Absicherung daher vielleicht noch ein paar andere Ämter anstreben: Chef des ADAC, Programmdirektor bei RTL, Miss Germany, auch Papst oder zumindest Ayatollah fände ich reizvoll. Und dann muß ich mir natürlich stellvertretende Parteivorsitzende suchen, die besser zu meinem Stil passen. Ich habe schon Gespräche mit Harald Juhnke, Uli Hoeness und Stefan Derrick geführt.

HEISS&FETTIG (hilfreich): Sie wissen schon, daß Stefan Derrick eine fiktive Figur ist?

Schröder (epiliert zwanglos seine Unterschenkel): Weiß man denn wirklich, ob der Tappert den Derrick spielt, oder umgekehrt? Sehen Sie! Und wenn man nicht mehr weiß, ob ich Kanzler bin oder nur den Kanzler spiele, dann habe ich es geschafft.

HEISS&FETTIG: Herr Schröder, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

ni