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Klassiker in neuem Gewand
Teil 1: Die Bürgschaft

Die Bürgschaft

Zu Gerhard S., dem Tyrannen, schlich
Gazprom, viel Geld im Gewande,
zu bestechen die rot-gruene Bande.
Was willst Du mit der Kohle, sprich,
fragt nun der Westerwellenwicht.

Das Land vom Tyrannen befrein?
Reicht nicht der Wähler Kreuzelein!
Brauchts Schampus, Kaviar und Gold,
dass sich der olle Schröder trollt?

Respekt, Gerd und Doris, Ihr schafft Kohle ran!
Und die Korruption, sie ist doch kein leerer Wahn!
Da frag ich gleich: Nehmt Ihr mich zum Genossen an?
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
in Eurer Bande der Dritte!

ni


"Germany 12 Points" darf nicht ungesühnt bleiben
HEISS&FETTIG erstattet Strafanzeige gegen den NDR

Sehr geehrter Herr leitender Oberstaatsanwalt,

hiermit möchte ich im Namen von HEISS&FETTIG Strafanzeige gegen die Programmverantwortlichen des Norddeutschen Rundfunks erstatten.

Der Anzeige zugrunde liegt der folgende Sachverhalt:

Am Samstag, den 12. März 2005 strahlte der NDR über das Programm der ARD zwischen 20:15 und 22:32 Uhr die Sendung "Germany 12 Points" aus. Gegenstand sollte die Auswahl eines deutschen Repräsentanten für den European Song Contest am 21. Mai 2005 in Kiew sein. Schon in der Vergangenheit haben sich entsprechende Sendungen entgegen vollmundiger Ankündigungen regelmäßig als äußerst belangloses Geplätscher seichter Beiträge von Möchtegernestars entpuppt. Was sich aber der NDR an diesem Samstag zu bieten erlaubte, überschritt dann doch das Maß des Zulässigen ganz erheblich. Sämtlich Grenzwerte des Emissionsschutzgesetzes, der TA Luft und aller Ausführungsbestimmungen des Hamburger Landesabfallgesetzes wurden in gröblicher Weise verletzt
(§ 326 Absatz 1 StGB: "Wer unbefugt Abfälle, die
  1. Gifte oder Erreger von auf Menschen oder Tiere übertragbaren gemeingefährlichen Krankheiten enthalten oder hervorbringen können,
  2. für den Menschen krebserzeugend, fruchtschädigend oder erbgutveränderndsind,
  3. explosionsgefährlich, selbstentzündlich oder nicht nur geringfügig radioaktiv sind
    außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage oder unter wesentlicher Abweichung von einem vorgeschriebenen oder zugelassenen Verfahren behandelt, lagert, ablagert, abläßt oder sonst beseitigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.").

Da war ein vollkommen überforderter Moderator vom Charme eines Realschulsportlehrers, der Frau Bunton mit den Worten verabschiedete "thank you so much for having us here". Na ja, immerhin identifizierte er sich nicht auch noch mit der Rolle als Moderator, sondern fühlt sich als Gast in der eigenen Sendung. Vielleicht verheißt das, dass wir ihn so bald nicht wieder erleben? Schlimmer als dieser Ausrutscher war aber noch, dass der Mann sich nicht entblödete, den Murphy Brothers zuzurufen: "Ihr stammt ja aus einer großköpfigen Familie" - war das eine Anspielung auf Hydrozephalusinzidenz in der Familie Murphy? Oder schlicht eine Beleidigung? § 186 StGB verheißt: "Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft."
Da waren neben der Moderatorenparodie aber auch geradezu lächerliche Beiträge. Nur Stefan Gwildis fand den Mut, in seinem Song Klartext zu der Sendung zu sprechen: "Nur hier zuhaus, darauf kannst Du bau´n, nur hier findest Du, dieses wunderschöne Grau´n." Ansonsten: Not, Armut und Elend! Das Christengegröhle der Gruppe "Allee der Kosmonauten", Ralf Siegel mit seinem plagiatorischen Aufguss der alten Band Aid Songs aus den Achtzigern (hat der Mann noch immer nicht mitbekommen, dass wir inzwischen zwanzig Jahre weiter sind?), vorgetragen von der Trällerelse, die schon bei den "Superstars" durchgefallen ist und im übrigen wieder einmal aufgedonnert war, als wäre sie, von irgendeiner Schieberbande im Osten für das deutsche Dienstleistungsgewerbe angeworben, mit Reiseveranstalter Ludger Volmer direkt aus Kiew angereist und nicht etwa angetreten, um erst dorthin zu kommen.

Sehr geehrter Herr leitender Oberstaatsanwalt, schon nach wenigen Minuten Sendezeit wurde mir schlecht. Brechdurchfall, typhusähnliche Symptome, Schüttelfrost und unkontrollierte Zuckungen gesellten sich alsbald zum allgemeinen Unwohlsein hinzu. Dem Strafgesetzbuch entnehme ich, dass der Verursacher solchen Leids bestraft werden kann! In Paragraph 223 Absatz 1 heißt es:

"Wer eine andere Person körperlich mißhandelt oder an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Also wegsperren! Und zwar die ganze Bande! Am besten gleich den ganzen NDR in den Bau!

Wahrscheinlich sogar für länger, denn ich betrachte diese Sendung durchaus als gesundheitsschädlichen Stoff, als gefährliches Werkzeug, als hinterlistigen Überfall und als eine von mehreren Beteiligten gemeinsam ausgeführte, das Leben gefährdende Behandlung im Sinne von Paragraph 224 Absatz 1 StGB, der ja bekanntlich ausführt:

"Wer die Körperverletzung
  1. durch Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen,
  2. mittels einer Waffe oder eines anderen gefährlichen Werkzeugs,
  3. mittels eines hinterlistigen Überfalls,
  4. mit einem anderen Beteiligten gemeinschaftlich oder
  5. mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung
begeht, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft."

Da mein Leiden anhält, ja, ich eigentlich schon von Siechtum sprechen möchte, bitte ich Sie, auch die Erfüllung des Tatbestandes der vorsätzlichen schweren Körperverletzung im Sinne von Paragraph 226 Absatz 1 und 2 StGB zu prüfen, wo es heißt:

"Hat die Körperverletzung zur Folge, daß die verletzte Person
  1. das Sehvermögen auf einem Auge oder beiden Augen, das Gehör, das Sprechvermögen oder die Fortpflanzungsfähigkeit verliert,
  2. ein wichtiges Glied des Körpers verliert oder dauernd nicht mehr gebrauchen kann oder
  3. in erheblicher Weise dauernd entstellt wird oder in Siechtum, Lähmung oder geistige Krankheit oder Behinderung verfällt,
so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
Verursacht der Täter eine der in Absatz 1 bezeichneten Folgen absichtlich oder wissentlich, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren."

Und, leider, das muss ich angesichts meines steigenden Fiebers sagen, ist noch nicht ausgeschlossen, dass auch Paragraph 227 Absatz 1 StGB zum Tragen kommt, der festschreibt:

"Verursacht der Täter durch die Körperverletzung (§§ 223 bis 226) den Tod der verletzten Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren."

Und, da der Siegertitel Deutschland international repräsentieren soll, fürchte ich, dass ein größerer Plan hinter der ganzen Blamage steckt. Ich vermute fast schon einen Verstoß gegen Paragraph 100 Absatz 1 StGB: "Wer als Deutscher, der seine Lebensgrundlage im räumlichen Geltungsbereich dieses Gesetzes hat, in der Absicht, einen Krieg oder ein bewaffnetes Unternehmen gegen die Bundesrepublik Deutschland herbeizuführen, zu einer Regierung, Vereinigung oder Einrichtung außerhalb des räumlichen Geltungsbereichs dieses Gesetzes oder zu einem ihrer Mittelsmänner Beziehungen aufnimmt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft."

Sehr geehrter Herr leitender Oberstaatsanwalt, handeln Sie schnell und handeln Sie entschieden, es ist von größter Wichtigkeit, hier schnell generalpräventive Effekte zu erzielen, sonst wiederholt sich das Desaster!

ni


Geht doch!
Dritte "24"-Staffel widerlegt Vorurteile gegenüber Sequels

Film- und TV-Sequels haftet aus gutem Grund der Ruf des Fürchterlichen an. Musterbeispiele sind bekanntlich die drei Filme, die im Anschluss an den Erfolg von "Highlander" gedreht worden sind. Christopher Lambert war zwar noch nie ein guter Schauspieler. Mit dem ersten Teil ist aber trotzdem ein kleines Stück Filmgeschichte geschrieben worden. Zum einen wegen des kreativen Schnitts. Dann aber auch, weil mit der ebenso schlichten wie prägnanten Parole "Es kann nur einen geben!" die Alltagssprache bereichert worden ist. Keine Spur davon dann in den drei Sequels, die zwar jeweils auch eine Art von Handlung haben, in denen es schwerpunktmäßig aber nur noch darum geht, mit Schwertern in der Gegend herumzufuchteln.

Dass ein Sequel nicht zwangsläufig als billiger Abklatsch eines Originals ausfallen muss, belegt glücklicherweise gerade die dritte Staffel von "24". Fans der ersten 24 Stunden des Terroristenjägers Jack Bauer werden sich noch daran erinnern, wie sie in atemloser Spannung mehrere Handlungsstränge verfolgt haben, zur 24-Sendezeit keine Verabredungen mit Verwandten und Bekannten möglich waren, und sich die Frage gestellt hat, weshalb ein solches Serienhighlight ausgerechnet vom Trash-Sender RTL2 ausgestrahlt wird. Getoppt wurde dies alles noch von der zweiten Staffel, in der weder ein vorübergehender Herztod noch die Hindernisse, die Sicherheitsgurte bei der Jagd auf Finstermänner manchmal verursachen können, Superagent Bauer davon abgehalten haben, das Böse zu besiegen. Doch damit längst nicht genug. In der aktuellen Staffel gleich wieder Spannungshighlights am laufenden Band: Bauer ist zwischenzeitlich aus taktischen Erwägungen heroinsüchtig geworden, seine Tochter ist vom Aupair-Mädchen und Daueropfer zur Co-Terroristenjägerin aufgestiegen, die erfrischende Jugendlichkeit des gesamten Personals der Terroristenjagdzentrale ist gepaart mit jahrzehntelanger Berufserfahrung, und die südamerikanischen Drogendealer sprechen auch dann mit spaßigem spanischen Akzent, wenn sie unter sich sind. Insgesamt also wieder eine runde Sache. Man darf deshalb umso gespannter auf die nächsten Folgen sein, die wegen des gigantischen Erfolgs mittlerweile im Doppelpack gesendet werden. Und natürlich auf die vierte Staffel, die gerade in Amerika läuft.

jg


Drei Tage nach dem Debakel von Istanbul
Deutsche Phonoindustrie verständigt sich auf neue Grand-Prix-Strategie

Drei Tage nach dem Sieg einer ukrainischen Jungklingonentruppe beim European Song Contest haben sich die Spitzen der deutschen Phonoindustrie auf eine Strategie für den nächsten europaweiten Vorsingewettbewerb verständigen können. Sich in die Schmollecke zu verziehen, aus der dann lauthals über Allianzen nach dem Motto "12 points for our neighbors" und über die Degeneration einer europäischen Institution geklagt wird, sei auf keinen Fall eine Handlungsoption. Stattdessen ist zum einen bereits die Sprachregelung ausgegeben worden, dass eine Veranstaltung, die in diesem Jahr von einem missglückten Versuch der Kreuzung eines Monchichi mit einem Gebrauchtwagenhändler sowie von der bislang glaubwürdigsten aller bekannten Miss-Piggy-Darstellerinnen moderiert worden ist, einfach jede Menge Zukunftspotenzial habe. Zusätzlich gibt es im Hinblick auf den deutschen Kandidaten des Jahres 2005 bereits ebenso präzise wie pragmatische Vorstellungen: Er oder sie soll natürlich serbisch singen und außerdem nach Möglichkeit einen albanischen Vater und eine litauische Mutter haben. Damit bei der Suche keine Zeit vertrödelt wird, sollen die Talentscouts der Plattenfirmen schon in den nächsten Tagen in die Bahnhofsgebiete deutscher Großstädte ausschwärmen.

jg


Deutschland mit Max wieder nur unter ferner liefen
Deutsche Grand-Prix-Verantwortliche fordern Konsequenzen

Nur mit äußerster Selbstverleugnung ist es den meisten Protagonisten der deutschen Grand-Prix-de-la-Chanson-Bewegung am vergangenen Samstag gelungen, die Enttäuschung über einen weiteres mittelmäßiges Ergebnis für Deutschland zu kaschieren. Dass der Abiturient Max in Istanbul einen der ersten drei Plätze belegt, war zuvor für eine ausgemachte Sache gehalten worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sei sogar ein Sieg zu erwarten, hatte man vorausgesagt. Dann war auf einmal Platz acht herausgekommen, und TV-Neumoderator Thomas Anders sah sich plötzlich unvorbereitet mit der Aufgabe konfrontiert, dieses Abschneiden als gute Leistung zu verkaufen.

Zwei Jahre Grundschule reichen völlig aus, um seine Rechnung nachvollziehen zu können, dass vor Position 8 lediglich sieben Plätze liegen und zwischen den Positionen 8 und 24 "viele" Plätze liegen. Was den tatsächlichen Verhältnissen aber nicht wirklich gerecht wird. Nachdem die Kameras abgeschaltet worden waren, sind dann im engen Kreis der Debakelverantwortlichen auch erste Analysen angestellt worden. Dass auf den ersten zehn Plätzen gleich mehrere Ricky-Martin-Sonderschulversionen rangieren, sei zwar bedauerlich. Trotzdem müsse man zur Kenntnis nehmen, dass es mit der europaweiten Akzeptanz einer "anspruchsvollen Soulballade", mit der Deutschlands Max ins Rennen geschickt worden ist, offenbar doch nicht so weit her sei. Die eigentliche Crux bestehe aber darin, dass fast überall 12 Punkte an irgendwelche Nachbarn gegangen seien. Man könne zwar auch künftig nichts dagegen unternehmen, dass sich die Skandinavier, Balten und Ex-Jugoslawen jeweils gegenseitig die Punkte zuschanzen und dass es mittlerweile auch Allianzen der Slawen sowie landsmannschaftliche Verbundenheiten der Albaner, Mazedonen, Griechen und Zyprioten gibt. Dem habe Deutschland, dass sich noch nicht einmal auf 12 Punkte aus Österreich verlassen kann, einfach nicht entgegensetzen können. Woran aber, so das Fazit, unbedingt gearbeitet werden müsse, wenn mal wieder ein erster Platz beim European Song Contest herausspringen soll. Gefordert sei vor allem die Musikindustrie, die Autonomiebestrebungen in Bayern, Sachsen und in anderen deutschen Gebieten mit ausgeprägtem Regionalbewusstsein unterstützen müsse.

jg