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Wiederbelebungsversuch gescheitert
Neue "Pardon" ohne Ossi-Witze zum Scheitern verurteilt

Weshalb die versuchte Reanimation eines ehemaligen Satire-Highlights ein gewaltiges Medienecho hervorgerufen hat, ist schnell erklärt. Schließlich gibt es in deutschen Redaktionsstuben immer noch genug Langzeitinsassen, die sich wehmütig daran erinnern, seinerzeit selbst zu den "Pardon"-Lesern gehört zu haben. Und außerdem kann man sich bei den meisten Nachgeborenen, die heute Redaktionen bevölkern, ja wenigstens darauf verlassen, dass ihnen Namen wie Harald Schmidt, Götz Alsmann und Roger Willemsen etwas sagen.

Aus qualitativer Sicht ist im Zusammenhang mit dem "Pardon"-Neustart aber vor allem bemerkenswert, dass die personelle Ausstattung eines Projekts mit ein paar Promis nicht zwangsläufig zu einem sensationellen Ergebnis führt. Okay, Hellmut Karasek hat es natürlich längst verdient, dass man sich seines Wirkens einmal aus dem satirischen Blickwinkel annimmt, und Roger Willemsen macht das dann auch ganz ordentlich. Aber die Einlassungen eines Götz Alsmann zur Formatradiopest werden diesem Thema allenfalls nur bedingt gerecht. Ganz zu schweigen vom Beitrag Harald Schmidts, der großspurig als "Brief des 21. Jahrhunderts" überschrieben ist, aber allenfalls in puncto Selbstbeweihräucherung eine Jahrhundertleistung darstellt.

Vom vollmundig verkündeten Anspruch "Deutschlands Satirezeitschrift Nr. 1" zu sein, ist die neue "Pardon" auf jeden Fall noch meilenweit entfernt. Und eigentlich kann das ja auch nicht anders sein, wenn der Herausgeber ein Ossi ist, die Redaktion ihren Sitz in Jena hat, und - wie an anderer Stelle zu lesen - Witze über die als humorfreie Zone Deutschlands bekannten östlichen Bundesländer partout nicht im Blatt vorkommen sollen.

jg


Bedrohungslage immer dramatischer
Nun auch Irland im Würgegriff der Nichtraucher

Nachdem es fanatischen Nichtrauchern bereits auf der anderen Seite des Atlantiks gelungen ist, ein ganzes Land in den Würgegriff zu nehmen, scheinen nun auch in Europa die letzten Verteidigungslinien zu brechen, mit denen sich verzweifelte Raucher bislang noch gegen den Terror der Nikotinverächter schützen konnten. Ein alarmierendes Beispiel liefert die Republik Irland, in der das Rauchen nun in allen "öffentlichen Räumen" verboten ist. Besorgnis erregend ist diese Entwicklung vor allem deshalb, weil der Ire dem Tabak bekanntlich ebenso zugetan ist wie dem Whiskey, ein irischer Pub ohne Qualm überhaupt nicht vorstellbar ist, und die staatlichen Sanktionen gegen die nationale Identität trotzdem nicht zu verhindern war. Erfreulicherweise wird zwar bereits über findige Versuche berichtet, sich den Spaß am Rauchen nicht nehmen zu lassen. Zum Beispiel durch den Umzug des "Zigarren-Clubs Irlands" in die diplomatische Immunität der kubanischen Botschaft. Oder auch dergestalt, dass plötzlich vermehrt Heizstrahler vor Pubs aufgestellt werden. Das ändert aber nichts an der akuten Bedrohungslage. Wie dramatisch diese ist, verdeutlichen vor allem die Orte, an denen momentan ausnahmsweise noch geraucht werden darf. Es handelt sich um Strafanstalten, psychiatrische Klinken und Ausnüchterungszellen. Raucher auf einer Stufe mit Straftätern, Irren und schwer Alkoholisierten - Wehret den Anfängen ! Und zwar, bevor diese Stigmatisierung einer lebensfrohen sozialen Gruppe auf das restliche Europa übergreift.

jg


Nach Naddels Brustvergrößerungsbeichte
Weitere Promis drohen Outings an

Nachdem Bohlens Naddel sich freimütig über die Jugendsünde ihrer Brustvergrößerung geäußert hat, fühlen sich jetzt auch andere Ex- und Semi-Promis aufgefordert, die Öffentlichkeit über pikante biographische Details zu informieren. Nach zuverlässigen Informationen sind demnächst folgende Outings zu erwarten:

Rudolf Mooshammer : "Zwischen mir und Daisy lief es im Bett zeitweise nicht so gut"
Dieter Bohlen : "Eigentlich sollte mein Buch 'Alles nur Angeberei' heißen"
Patrick Lindner : "Mein Lebensgefährte hatte anfangs vorgeschlagen, einen Thai-Boy zu adoptieren"
Dolly Buster : "Meine größte Enttäuschung: Nach der zwölften Brust-OP war das Gehirn immer noch nicht gewachsen"
Kai Dieckmann (BILD-Chefredakteur) : Als Volontär bin ich davor gewarnt worden, die Auflage mit Promi-Kampagnen in die Höhe treiben zu wollen"
Ariane Sommer (Edel-Luder) : "Ich war schon immer für jeden Scheiß zu haben. Hauptsache, die Presse ist dabei"
Wildecker Herzbuben : "Wir waren zwei Öltanks"

jg


Neues von Herrn Kovac - Teil II
Mitbefangen, mitgehangen

Ich habe ja versprochen, mich noch einmal mit den weiteren Vorgängen in der Sache Kovac* zu melden. Was hiermit geschieht. Ein Freund riet mir, dem Herrn Kovac einfach auf einem seinem handwerklichen Niveau entsprechenden Level Rechtshilfe zu leisten. Kommt natürlich überhaupt nicht in Betracht, das wäre gegen die Standesehre. Aber, ich habe da einen Kumpel, den lieben Chris*, der hat mal als so eine Art Steuerberater gearbeitet, hält sich durchaus für kompetent, auch als Rechtsberater zu wirken, und - so nett er sonst ist - der versaut so ziemlich jedes Verfahren, an dem er sich beteiligt. Ich habe tatsächlich schon mit dem Gedanken gespielt, Herrn Kovac eine Empfehlung an Chris zu geben. Zumal sich inzwischen herausgestellt hat, dass Herr Kovac auch unseren Wasserhahn unbrauchbar gemacht hat. Nach der Montage des neuen Boilers tropfte es nämlich noch immer recht heftig. Ich habe dann einfach alles noch einmal auseinander gebaut und versucht die verschiedenen Ausgänge des Wasserhahns mit Werg und Dichtungen wasserdicht zu machen - leider vergeblich, da ist größerer Schaden angerichtet. Zum Glück gibt es die Dinger ja bereits für nur noch 89 Euro zu kaufen. Und wie man sie einbaut, weiß ich inzwischen ja auch.

Tja, und dann habe ich mir die Akte von Herrn Kovac angesehen. Heißa, da lacht das Juristenherz! Soll ich mal ein paar der besten Schoten erzählen? Mache ich!

- Wie jeder weiß, der schon einmal selbst einen Prozess geführt hat, muss man, wenn man beim Amtsgericht eine Klage einreicht, ein Doppel der Klageschrift für die beklagte Gegenpartei beifügen. Herr Kovac hat dies nicht getan und wurde vom Amtsgericht dazu aufgefordert. Seine Antwort: Er habe den Gegner eigentlich gar nicht an dem Verfahren beteiligen wollen, schließlich habe dieser bereits eine außergerichtliche Einigung abgelehnt und sich sehr uneinsichtig gezeigt, so dass ein Nachgeben im Prozess auch nicht zu erwarten sei. Daher sei es völlig ausreichend, wenn das Gericht informiert sei und ihm, Kovac, das geforderte Geld zuspräche. Das Gericht möge bitte "mit dieser seltsamen Verzögerungstaktik aufhören".

- Dann beruht die ganze Sache ja darauf, dass der Herr Kovac einen Unfall hatte. Seltsamerweise nicht von ihm, sondern vom anderen Unfallbeteiligten verursacht. Herr Kovac ließ den Unfallschaden schätzen (11.900 DM) und seinen Wagen anschließend reparieren. Kostenpunkt: 9.000 DM. Nun erklärt Herr Kovac, die Differenz zwischen geschätztem Schaden und tatsächlich repariertem Schaden erkläre sich daraus, dass er nicht den gesamten Schaden habe reparieren lassen, sondern seinen Wagen lediglich notdürftig in fahrtüchtigen Zustand habe versetzen lassen. Begründung: Die gegnerische Versicherung sei ohnehin dafür bekannt, nie den ganzen Schaden zu begleichen. Für den bestehenden Restschaden verlangt Herr Kovac von der gegnerischen Versicherung die Differenz zwischen dem im Gutachten ermittelten Betrag und den bisher aufgewendeten Reparaturkosten. Nun hatte Herr Kovac zum Glück einen guten Anwalt. Der hat gleich einmal die Werkstatt, in der der Wagen repariert wurde, dazu aufgefordert, den Restschaden zu bestätigen und zu beziffern. Antwort der Werkstatt: "Es ist alles repariert worden, wir haben nur billig gearbeitet und deswegen den Voranschlag erheblich unterschritten." Der gute Anwalt hat daraufhin Herrn Kovac auf das "hohe Prozessrisiko" hingewiesen, das sich bei einer weiteren Verfolgung des Schadenersatzanspruchs vor allem dann ergäbe, wenn man, wie von Herrn Kovac vorgeschlagen, den Werkstattinhaber als Zeugen laden wuerde. Herr Kovac hat daraufhin - mit Recht - seinen Anwalt für befangen und ausländerfeindlich erklärt und sich einen neuen Rechtsbeistand gesucht. Außerdem hat Herr Kovac das Gericht darüber informiert, dass bereits ein Teil des weiteren Schadens repariert worden sei - allerdings, nachdem Herr Kovac durch Anwaltskosten etc. mehr als Pleite gewesen sei, nicht in einer Werkstatt, sondern im Wege der "Nachbarschaftshilfe" durch einen guten Freund, der ihm freilich aus bestimmten Gründen keine Quittung über die aufgewendeten 700 Euro geben könne und nicht als Zeuge zu laden sei.

- Dann hat Herr Kovac seine Klage mittlerweile erweitert und verlangt auch eine Abgeltung seines "Aufwands". Kovac erklärt, er habe für das gesamte Verfahren bislang 500 Stunden eingesetzt: Anwaltstermine, Schreiben an die Polizei und das Gericht, das Ausfüllen von Prozesskostenhilfeformularen etc. Von diesem 500 Stunden verlange er zumindest 50 Stunden ersetzt. Mit einem Stundensatz von 20 Euro kalkulierend, kommt er auf einen weiteren Ersatzanspruch von 1.000 Euro. Sein zweiter Anwalt, dieser befangene Paragraphenreiter, hatte ihm ja bereits erklärt, das nur solche Ansprüche auf Verdienstausfall erfolgreich durchgesetzt werden können, die darauf beruhen, dass wegen des unmittelbaren Unfallgeschehens oder feststehender Prozesstermine nachweisbar und nachgewiesen ein Verdienstausfall entstanden ist. Während das Führen eines Prozesses im übrigen Privatsache sei und die erforderlichen Schriftsätze in der Freizeit gefertigt werden könnten. Das muss wohl einer der Gründe gewesen sein, warum Herr Kovac auch diesen zweiten Anwalt als ausländerfeindlich eingestuft und gefeuert hat.

- Außerdem, so erklärte Herr Kovac - mangels Anwalt in direktem Schreiben an das Gericht - wisse der zuständige Sachbearbeiter der Versicherung, ein gewisser Herr Brenner*, genau Bescheid über die "Urkundenfälschungen und Betrügereien" der Versicherung. Man müsse den Mann nur vorladen. Auf Anfrage hatte die Versicherung Herrn Kovac allerdings mitgeteilt, Herr Brenner arbeite nicht mehr für sie (die müssen das korrupte Schwein einfach gefeuert haben, kein Wunder, meint Herr Kovac) und die aktuelle Anschrift des Herrn Brenner sei auch nicht bekannt. Herr Kovac, nicht faul, schrieb die Landespolizei an und bat diese um "Feststellung des aktuellen Wohnsitzes eines gewissen Herrn Brenner". Dass dieses Schreiben unbeantwortet blieb, hat Herrn Kovac zu der Einsicht gebracht, die deutsche Polizei diskriminiere Ausländer. Herr Kovac hat sogleich einen weiteren Brief an die Polizei gerichtet und mit "Strafanzeige für unterlassene Hilfeleistung" gedroht.

- Ja und dann wurde Herr Kovac seinerseits auch noch Opfer einer Klage. Die Werkstatt, in der er seinen Wagen hatte reparieren lassen, wollte von Herrn Kovac die Reparaturkosten erstattet haben. Da die gegnerische Versicherung noch nicht gezahlt hatte und Herr Kovac auch nicht auf die Idee gekommen war, seinen Ersatzanspruch gegen die Versicherung an die Werkstatt abzutreten, sah er sich weder im Stande, noch verpflichtet, diese Rechnung zu bezahlen. Auf Mahnungen folgte ein Mahnbescheid und schließlich ein Vollstreckungsbescheid. Dann zahlte die Versicherung an Herrn Kovac und zahlte Herr Kovac an die Werkstatt. Die Kosten für das Mahnverfahren hatte Kovac zu tragen - muss auch ein befangener Richter gewesen sein, der das entschieden hat! Nun verlangt er diese Kosten von der "säumigen Versicherung" zurück. Diese weist ihn zu Recht darauf hin, dass er a) den Anspruch gegen die Versicherung hätte an die Werkstatt abtreten können, b) einen Kredit hätte aufnehmen können und c) vor allem die Versicherung auf die drohende Vollstreckung und die Eilbedürftigkeit der Klärung der Ersatzansprüche hätte aufmerksam machen müssen. Herr Kovac erwiderte, er hätte als Ausländer sowieso keinen Kredit bekommen. Den erbetenen Nachweis, es wenigstens versucht zu haben, hat er bis heute gegenüber der Versicherung nicht erbracht. Dennoch zahlte die Versicherung auf Kulanzbasis die Hälfte der Kosten des Mahn- und Vollstreckungsverfahrens. Den Rest verlangt Herr Kovac nun auch noch, trotz eines Hinweises den der Richter ihm bereits gegeben hat: Dass Kovac nämlich zur Minderung des Schadens verpflichtet sei und genau jene Maßnahmen hätte treffen müssen, auf die ihn auch die Versicherung hingewiesen hatte. Aber was bedeutet so eine Auskunft eines befangenen Rechtsverdrehers schon?

- Auch Zinsen verlangt der Herr Kovac. Da muss ihm wohl ein Anwalt erzählt haben, dass das Zivilrecht vier Prozent Zinsen vorsieht, bei nachgewiesenem höheren Zinssatz für aufgenommene Kredite auch mehr. Dass dies aber erst ab Klageerhebung bzw. Leistungsverzug des Beklagten gilt und nicht pauschal, sondern aufs Jahr zu rechnen ist, muss Herrn Kovac entfallen sein. So rechnete er bei Klageerhebung im Oktober 2002: 2.900 DM = 1.450 Euro Schaden plus 1.000 Euro Verdienstausfall macht 3.900 Euro. Daraus ergeben sich bei einem Zinssatz von 4 Prozent 156 Euro Zinsanspruch. Die wurden also gleich mit eingeklagt. Im zweiten Schriftsatz erklärte Herr Kovac dann, er wolle nun doch lieber neun Prozent, also 351 Euro. Den eingeforderten Nachweis einer entsprechenden eigenen Kreditaufnahme mit diesem Zinssatz blieb er schuldig - wie hätte er ihn auch führen können, nachdem er schon bezüglich des Mahnverfahrens vorgetragen hatte, er könne als Ausländer sowieso keinen Kredit bekommen. Dafür bezichtigte er das Gericht erneut der "Befangenheit" und der "Verwendung von Verzögerungstaktiken". Da ist er aber gar nicht bange, der Herr Kovac, und weiß sich zu helfen. Zack wurde ein Brief an die Polizei geschrieben und dieser der Sachverhalt inklusive der Befangenheit ausführlich dargestellt. Mit der Bitte um "entsprechendes Vorgehen". Aufwand für die Erstellung des Schreibens: Satte fünf Stunden, die mit Sicherheit auch irgendwann der beklagten Versicherung in Rechnung gestellt werden.

- Besonders sauer wurde Herr Kovac als das Gericht seinen Prozesskostenhilfeantrag ablehnte - wegen mangelnder Erfolgsaussichten der Hauptsacheklage. Nachdem diese Ablehnung bereits etliche Wochen zurück lag, meinte Herr Kovac am Donnerstag, dass die Frist für einen Einspruch dagegen wahrscheinlich abgelaufen sei, "wir" aber dennoch Einspruch einlegen und die Verzögerung mit der Befangenheit des Richters begründen könnten. Gut wenn man so einen kreativen Hobbyjuristen zur Seite hat...

Am Ende bleibt für mich eine große Erleichterung. Denn im Vorhinein so ganz ausschließen konnte ich die Möglichkeit wohl nicht, dass hier ein Teil der deutschen Justiz jemanden schlecht behandelt haben könnte, nur weil er Jugoslawe ist. Aber was ich in den Akten gesehen habe, war das genaue Gegenteil. Das Verfahren ist nicht nur mit einer für deutsche Gerichte seltenen Schnelligkeit betrieben worden, der Richter hat sich auch die Zeit genommen, dem lieben Herrn Kovac recht detailliert zu erklären, warum seine Klage keine Chance auf Erfolg hätte, zumindest jedenfalls solange bestimmte Beweise (Verdienstausfall, noch bestehende Schäden am Wagen) nicht vorlägen. Das war fast schon Rechtsberatung. Und er hat Herrn Kovac nicht einmal wegen der freimütig zugegebenen Schwarzarbeit an seinem Wagen angezeigt.

Dennoch wünsche ich Herrn Kovac für seine weiteren juristischen Bemühungen alles Gute. Ich nehme an, als nächstes muss der Europäische Gerichtshof, dann das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und am Ende die Menschenrechtskommission der UN dran glauben. Vielleicht hilft auch ein Brief an den Papst (4 Stunden Arbeit - kostet die Versicherung läppische 80 Euro) oder ein Gnaden-Appell an den Bundespräsidenten. Und dann wäre da noch immer mein Freund Chris, der sicher zu helfen bereit ist.

*Die Namen aller Beteiligten wurden aus Datenschutzgründen geändert

ni


Neues von Herrn Kovac - Teil I
...und bei Obi

Heute muss ich mal von Herrn Kovac erzählen. Herr Kovac, das ist mein Nachbar. Er kommt aus Kroatien, wo er im Krieg zwischen Kroatien und Serbien politisch verfolgt worden ist. Deswegen ist er auch gleich ein paar Jahre nach dem Krieg und nach der Wahl einer demokratischen Regierung dort weg. Aber das nur am Rande.

Herr Kovac ist jedenfalls ein prima Kerl und ein netter Nachbar. Da redet man über allerhand. Neulich habe ich ihm dann mal erzählt, dass ich Schwierigkeiten mit dem Wasserhahn in meiner Küche habe. Da lächelte er mitleidig über den unpraktisch veranlagten Akademiker und versprach: "Da kümmere ich mich drum, ich habe ja beruflich einen Hausmeisterservice, das richte ich Ihnen, ist gar kein Problem, braucht keine halbe Stunde!" Erst danach kam Herr Kovac kurz darauf zu sprechen, dass ich, als Jurist, ihm ja im Gegenzug vielleicht bei so einer Sache behilflich sein könne. Er habe da schon seit längerem einige Verfahren laufen und die Richter, die Staatsanwälte und insbesondere seine Rechtsbeistände seien doch alle gegenüber Ausländern befangen, weswegen er bisher alle seine Prozesse verloren habe. Insbesondere habe der Strafrichter, bei dem er gegen einen der befangenen Polizisten geklagt hatte, die Klage gar nicht angenommen, sondern sie in einen Zivilprozess umgewandelt. "Hoppla", habe ich mir gedacht, "da muss sich in den letzten paar Tagen in der Zivilprozessordnung und in der Strafprozessordnung einiges geändert haben, wenn das plötzlich so ohne weiteres möglich ist!" Aber auch das nur am Rande.

Der Herr Kovac hat sich dann auch gleich mal meinen Wasserhahn angeschaut und festgestellt, dass der wirklich nicht mehr sehr schön sei. "Ach, kaufen Sie morgen einen neuen, und ich baue Ihnen den dann übermorgen ein!", bot er spontan an. Da war ich ihm sehr dankbar, denn die Konstruktion in meiner Küche ist doch recht kompliziert - da hängt noch eine Waschmaschine dran, und eine Spülmaschine und vor allem auch ein sehr empfindlicher Boiler, der eine spezielle Steigleitung braucht, weil er sonst gerne schon mal platzt. Welches Wasserhahn-Modell ich denn kaufen sollte, habe ich den Herrn Kovac dann gefragt. "Ist egal, nehmen Sie irgendeines, die passen alle, sind ja alle genormt", antwortete er mir spontan. "Ja, aber, da hängen doch alle diese Geräte dran, da brauche ich doch sicher einen bestimmten Typ von Hahn?" "Nee, sehen Sie nur, dass Sie einen Zusatzknauf für die Waschmaschine haben, das reicht völlig, zur Not machen wir ein paar Verteiler dran." Das Problem löste sich dann bei Obi ganz schnell, wo der Verkäufer sowieso nur noch ein Modell für meinen komplizierten Fall anzubieten wusste. "Das passt sicher, auch mit dem Boiler, das funktioniert", versicherte mir der junge Mann. Aber das nur am Rande.

Am nächsten Tag dann der große Augenblick. Herr Kovac traf ein, beladen mit Werkzeugtaschen, in denen man eine ganze Großfamilie aus Jugoslawien hätte gen Österreich schmuggeln können. Er sah sich kurz den Hahn an, befand ihn für tauglich und zerlegte dann schrittweise meine Küche. Ausbau der Spüle und der Spülmaschine, des Boilers und allerhand anderer Leitung und Geräte, na klar, es war ja immerhin ein Wasserhahn zu montieren. Relativ schnell stellte sich dabei heraus, dass der Herr Kovac "rechts" und "links" nicht auseinander halten konnte, obwohl das politisch in Jugoslawien sicher überlebensnotwendig gewesen war. Jedenfalls fragte er dauernd, wohin eigentlich der Warmwasseranschluss gehöre und gab sich mit verbalem "links" nicht zufrieden, ich musste ihm zeigen, wo das so ungefähr ist. Aber das nur am Rande.

Angesichts der sich in ihre Grundbestandteile zerlegende Küche, in der auch aus allerhand Leitungen munter irgendwelches Wasser plätscherte, weil der Herr Kovac feststellen musste, dass "irgendwie die Hähne nicht richtig zugehen", fühlte ich mich langsam wie jene Romanfiguren des Herrn Kishon, die von Handwerkern mit vollmundigen Versprechungen geködert werden (braucht zehn Minuten) und denen nach Ende der Arbeiten nur noch der Umzug, die Grundsanierung oder der gepflegte Suizid bleibt. Zum Glück wurde ich von allzu tiefschürfenden Betrachtungen meines Elends durch die schillernden Geschichten des Herrn Kovac abgehalten, der mir vorschlug, als Beweis für die von mir angezweifelte grundsätzliche Ausländerfeindlichkeit der deutschen Justiz einfach einen fiktiven Mord zu erfinden, diesen einem real existierenden Türken qua Anzeige anzuhängen - am besten einem, den man sowieso nicht leiden kann - und "Sie werden sehen, der wird deswegen mit Sicherheit verurteilt!". Aber das nur am Rande.

Irgendwann hatte der Herr Kovac es dann doch noch geschafft. Der neue Wasserhahn saß - anders als sein Vorgänger - fest auf der Spüle. "Komisch", meinte Herr Kovac dann allerdings, "der Hahn hat ja nur drei Eingänge, der alte hatte vier." "Ach, wird schon passen", erwiderte ich heiter, "die sind ja alle genormt, und zur Not kann ich die Wäsche ja auch in der Badewanne waschen." Ich habe mir den Hahn dann aber doch mal etwas genauer angesehen und festgestellt, dass der auf meine Anlage nun wirklich nicht besonders gut passte. Genauer gesagt, wäre mir sofort bei Inbetriebnahme der Boiler geplatzt. Insofern war die Empfehlung des Obi-Verkäufers ungefähr so hilfreich wie die Auskunft von Herrn Kovac bezüglich des deutschen Normungswesen. Aber das nur am Rande.

"Tja", erklärte ich Herrn Kovac, "dann müssen wir wohl doch den alten Hahn behalten. Montieren Sie das Ganze halt wieder zusammen. Und wenn Sie den alten Hahn irgendwie so befestigen können, dass er nicht mehr so wackelt, wäre das ja auch schon ein Gewinn. Damit ließ ich ihn allein und beschäftigte mich erst einmal so ein, zwei Stunden damit, das quer durch das Haus gelaufene Wasser wieder aufzuwischen. Dann sah ich mal wieder nach Herrn Kovac. Und - siehe da - er hatte es wirklich geschafft den alten Hahn wieder auf die Spüle zu schrauben. Natürlich waren jede Menge Teile übrig geblieben, die vorher noch benötigt worden waren und irgendeine diffuse, wahrscheinlich nicht allzu wichtige Funktion erfüllt hatten, aber das nur am Rande.

Herr Kovac fragte mich jetzt, in welcher Ordnung denn nun die vier Schläuche an die vier Anschlüsse anzubringen seien. Ich erklärte ihm, dass er das eigentlich besser wissen müsste als ich, da er das Ganze schließlich auseinander montiert habe. "Klar, weiß ich eigentlich auch, aber wo kommt nochmal das warme Wasser hin?" "Links!" "Äh, ja, aber welcher Anschluss ist das?" "Links wäre etwa hier!" "Ach ja, danke". Kaum dreißig Minuten später hatte Herr Kovac dann alles angeschlossen und bat mich, den Haupthahn wieder zu öffnen, den ich zur Sicherheit abgedreht hatte. Auch weil im Keller mittlerweile so eine Art Seenlandschaft entstanden war. Aber das nur am Rande.

Kaum war der Haupthahn geöffnet, rief mich Herr Kovac nach oben und führte mir freudestrahlend einen laufenden Wasserhahn vor. "Prima, und das in nur fünf Stunden Arbeit, Sie sind ein Genie", lobte ich Herrn Kovac spontan und versuchte, den Hahn wieder zu schließen. Was nicht funktionierte. Das heißt, schließen konnte man ihn schon, nur lief das Wasser dennoch weiter. Weil Herr Kovac den Kaltwasser-Zufluss an die ventillose Steigleitung für den Boiler montiert hatte. Dass er außerdem vergessen hatte, auch das Abflussrohr wieder zu befestigen und das unterbrechungsfrei weiterlaufende Wasser sich daher in die Küche ergoss, sei nur am Rande erwähnt.

Na gut, ich habe mir die Sache dann selbst angesehen und mit etwas gesundem Menschenverstand herausgefunden, welcher Schlauch auf welchen Anschluss gehört. Ich habe es auch Herrn Kovac erklärt, der kaum 45 Minuten brauchte und - schwupp - saßen alle Leitung dort, wo sie hingehören. Dass Herr Kovac durch die vorherige Fehlinstallation einen gesunden Boilerplatzer verursacht hatte, was mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Das habe ich erst gemerkt, als ich den Haupthahn wieder aufgedreht hatte, den Wasserhahn richtig funktionieren sah, feststellen durfte, dass diesmal sogar das Abflussrohr wieder angeschlossen war und trotzdem noch immer Wasser in die Küche lief. Aus dem zerplatzten Boiler eben. Aber das nur am Rande.

Der Herr Kovac sagte dann noch, er habe die Leitung für die Spülmaschine nicht richtig befestigen können, weil er die Spange, mit der der Schlauch ursprünglich befestigt gewesen sei, nicht mehr wiederfinde. Es sei wahrscheinlich besser, wenn ich die Spülmaschine erst einmal eine Weile nicht mehr benutzte, bis er ein Ersatzteil montiert habe. Wir haben dann gemeinsam noch zwanzig Minuten die Küche abgesucht, leider vergeblich. Ich habe die Spange dann gegen später beim Aufwischen doch noch gefunden. Sie saß genau dort, wo sie auch hingehört, nämlich auf dem Spülmaschinenschlauch. Sie war nur etwas hinunter gerutscht, da kann ja keiner drauf kommen. Aber das nur am Rande.

Der Herr Kovac ging dann irgendwann, so gegen zwei Uhr in der Nacht. Er habe nasse Füße, meinte er. Ich zog kurz Bilanz, stellte fest, dass nach sieben Stunden Arbeit der alte Wasserhahn wieder ungefähr so gut funktionierte, wie vorher auch schon, ein Boilerschaden in noch zu beziffernder Höhe, ein Wasserschaden in ebenfalls noch zu beziffernder Höhe und ein Aggressionspotential in nicht zu beziffernder Höhe zu verzeichnen waren. Irgendwie verstehe ich jetzt auch, warum die Richter, Staatsanwälte und Anwälte, mit denen Herr Kovac immer mal wieder zu tun hat, ihm gegenüber seltsam befangen sind. An der Nationalität liegt es wohl weniger. Aber das nur am Rande.

Wenn also bei Ihnen in der Nachbarschaft jemand einzieht, der einen Hausmeisterservice betreibt und ihnen mit den Worten: "Gar kein Problem, richte ich Ihnen, braucht keine halbe Stunde" seine Hilfe anbietet: Empfehlen Sie ihn an eine Abrissfirma weiter, verschließen Sie Fenster und Türen und belegen Sie zur Sicherheit einen Volkshochschulkurs im Amoklaufen. Aber das nur am Rande.

Ach ja, ich melde mich die nächsten Tage noch einmal. Dann bringt mir Herr Kovac seine Prozessunterlagen. Ich bin sicher, dass er nichts dagegen habe, wenn ich hier kurz erzähle, wie arg er politisch verfolgt worden ist. Ach, und den Obi, den verklage ich auch noch!

Die Namen aller Beteiligten wurden aus Datenschutzgründen geändert

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