Papst-Special Aktuell >>Archiv
   
 
Begeisterung in Deutschland
WIR sind Papst und wieder wer

Dass mit Joseph Ratzinger zum ersten Mal seit ungefähr 17.000 Jahren wieder ein Deutscher auf den Papstthron gewählt worden ist, hat in Deutschland große Begeisterung ausgelöst. Was gleich aus mehreren Gründen sehr gut nachvollziehbar ist. Zum einen, weil sich das Kardinalskollegium wider Erwarten nicht der kroatischen Wettmafia gebeugt hat, die auf einen Erfolg des Zagreber Erzbischofs Josip Bozanic gesetzt hatte. Dann aber auch, weil es im Gegensatz zum European Song Contest ("12 points for our neighbors") weder die Balkan- noch die Baltikum-Kardinäle geschafft haben, einen ihrer Vertreter durchzusetzen. Und schließlich, weil sich in Deutschland nach dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1954 zum insgesamt erst zweiten Mal wieder das Wir-sind-wieder-wer-Gefühl eingestellt hat. Was BILD dann auch prompt korrekt eingeordnet hat:

Nach ersten Umfragen fühlt sich die überwiegende Mehrheit der mehr als 5 Millionen Arbeitslosen nun schlagartig auf einmal viel besser. Der Jahrtausenderfolg des "bescheidenen Arbeiters im Weinberg des Herrn" lässt die Deutschen aber auch in anderen Zusammenhängen hoffungsfroh in die Zukunft blicken. Der angestrebte ständige Sitz im UN-Sicherheitsrat ist jetzt natürlich nur noch Formsache. Der Gewinn der Fußball-WM 2006 im eigenen Land sowieso. Und überhaupt müsste man sich nicht wundern, wenn es künftig nur noch deutsche Päpste und bald ein neues Heiliges Römisches Reich deutscher Nation gibt.

jg


Vatikan vor gravierenden Änderungen
Ratzinger plant Hommage an seine Heimat

Was ist nur mit unseren Fernsehanstalten los? Nur weil eine Truppe gebrechlicher älterer Herren in Frauenkleidern sich in Rom einen neuen Vereinsvorstand wählt, zeigen alle möglichen Sender stundenlang einen Kamin. Das zieht sich und schadet mit Sicherheit der Quote! Na gut, im vierten Wahlgang hat die Wahl dann aber doch noch funktioniert - Frau Simonis wird mit Verblüffung gesehen haben, dass so etwas geht. Und sich wahrscheinlich insgeheim auch für den Kieler Landtag ein Konklave gewünscht haben, wo einfach solange gewählt wird, bis das Ergebnis stimmt.

Ratz-fatz ging das alles, und schon hatten wir einen neuen Papst. Überraschung, Überraschung, obwohl die Monegassen schnell noch Ernst-August aus der Betty Ford Klinik von Monte Carlo entlassen hatten, scheiterte die Kandidatur des zupackenden Welfen. Stattdessen haben wir jetzt den Ratzinger am Hacken. Und damit den Beweis, dass Bayern durchaus in höchste Ämter gewählt werden können. Es gibt Hoffnung für Dich, Stoibi!

Allerdings dauerte es eine Weile, bis die wartende Meute auf dem Petersplatz das Ende der Wahl amtlich hatte. Denn die technisch offenbar weniger begabten Rotkäppchen im Konklave schafften es trotz chemischer Hilfsmittel und des Einsatzes von hochwertigen Joints noch nicht einmal, eindeutig gefärbten Rauch aus der Sixtinischen Kapelle aufsteigen zu lassen. Jesusmariaundjosef, was hat uns der Dilletantenstadel aus dem Vatikan da wieder für eine traurige Vorstellung geboten?

Und auf dem Niveau ging es weiter. Juppi Ratzinger, so wurde allenthalben kommentiert, sei ein Übergangspapst. Wie hat man sich das denn vorzustellen? Na gut, wenn man den Titel Pontifex Maximus (größter Brückenbauer) wörtlich nimmt, haut es sogar hin, eine Brücke ist ja irgendwie auch ein Übergang. Aber warum muss man das Ganze so tautologisch formulieren? Oder ist alles ganz anders und nimmt man den Übergangspapst so wie einen Übergangsmantel, also nur ein paar Wochen? Und dann? Hängen wir Ratzi in den Schrank bis zum Herbst, oder was?

Tja, schließlich hieß es noch, Ratzi werde wohl kaum wesentliche Reformen durchsetzen, schließlich sei er ein Bewahrer. Blödsinn! Denn wie der neue Papst unserem Sonderkorrespondenten in einem Blitzinterview mitteilte, sind ganz wesentliche Veränderungen geplant, die zugleich auch eine Hommage des Pontifex an seine bayerische Heimat darstellen:
  • Ab sofort gibt es in der Messe Vollkornhostien, wahlweise in den Geschmacksrichtungen Weißwurst oder Schweinsbraten.
  • Der Messwein wird durch Weißbier ersetzt, die Wandlung mit den Worten "ozapft is" abgeschlossen.
  • Das Oktoberfest wird Bestandteil des Kirchenjahrs und künftig auf dem Petersplatz stattfinden.
  • Die Kleidung des Papstes wird nicht mehr weiß, sondern in weiß-blauem Rautenmuster gehalten sein, an das Pileolus (für Pisa-Absolventen: das ist die Scheitelkappe) wird ein Gamsbart angeheftet.
  • Der Osservatore Romano wird durch den Bayernkurier ersetzt und die Vatikanbank von ebenjener Bayerischen Landeszentralbank übernommen, die ja auch schon mit viel Erfolg das Flick-Imperium aufgekauft hatte.
  • Die Kirchenlieder werden künftig gejodelt, der Vatikanchor wird unter die Leitung von Marianne und Michael gestellt.
  • Die Schweizer Garde trägt ab sofort Lederhosen.
  • Der Weihrauch wird abgeschafft. Stattdessen verteilen die Priester künftig Schnupftabak.
  • Das Ave Maria wird durch Patrona Bavariae (Fassung des Naabtal Duos) ersetzt.
  • Abtreibung wird erlaubt, zumindest der Almabtrieb.
Kurios auch die erste Einlassung Ratzis vom päpstlichen Balkon: "Ich bin ein einfacher und demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn." Sorry, Ratzi, aber da verwechselst Du etwas. In den Weinbergen arbeiten seit Menschengedenken nur noch Polen. Hast Du Deinen Vorgänger gemeint? Wahrscheinlich hast Du einfach noch nicht richtig mitgekriegt, dass Du jetzt der Chef bist, oder? Obwohl die Blödzeitung das natürlich schon wieder ganz anders sieht und in knapp elf Meter hohen Buchstaben meldet: "Wir sind Papst!"

Bleibt eine Frage: Wann spricht Ratzi, pardon, wann sprechen "WIR" Franz-Josef Strauß heilig?

ni


Kohl, Mayer-Vorfelder oder ...
Deutschland sucht den Superpapst

Nach 25 Jahren ist es endlich wieder so weit, im Vatikan werden die heiligen Stühle gerückt und während Herr Wojtyla nach dem Prinzip Asche zu Asche, Staub zu Feinstaub in der Gruft des Petersdoms vor sich hin kompostiert, stellen sich alle die spannende Frage, wer denn nun der Nachfolger des Polenpauls werden soll.

Gerüchte gibt es jede Menge, darunter auch jenes, dass ein Deutscher in der engeren Wahl sein soll. Nicht richtig ist jedoch, dass es sich um Kardinal Ratzinger handele. Vielmehr sind eine ganze Reihe von anderen Herren im Gespräch. Zunächst hatte die Bundesregierung reflexartig Cajo Koch-Weser vorgeschlagen. Der wird ja immer genannt, wenn es irgendwo einen Posten zu besetzen gibt. Nachdem der Mann aber schon als Bundesbank-Präsident, als Chef des Internationalen Währungsfonds, als Präsident der Europäischen Zentralbank, als Manager von Borussia Dortmund und als Generaldirektor der Trinkhalle am Krefelder Hauptbahnhof gehandelt und jeweils nach dem Wiegen für zu leicht befunden worden ist, dürfte er auch in Rom keine Chancen haben.

Als Geheimfavorit gilt derzeit der frühere Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl. Dr. Kohl habe dem Konklave per Einschreiben nicht nur zugesagt, die erforderlichen Spenden zu sammeln, um die Vatikanbank aus ihrer derzeitigen Schieflage zu befreien, der Altkanzler habe auch versprochen, die Wiedervereinigung von katholischer und evangelischer Kirche durchzusetzen, ließen einige Mitglieder des Kardinalkollegiums am Wochenende verlauten.


Nick Igel berichtet direkt aus Rom

Dagegen plant der deutsche Fußballbund, seinen Noch-Präsidenten Mayer-Vorfelder nach Rom wegzuloben. Die Sprechweise und Sprechgeschwindigkeit Vorfelders sei jedenfalls spätestens nach der dritten Flasche Trollinger sehr stark jener des verblichenen Papstes im Endstadium seiner Krankheit vergleichbar, so dass Kontinuität gewährleistet sei, hieß es zur Begründung aus der DFB-Zentrale. Zudem verfüge Mayer-Vorfelder über das erforderliche Sendungsbewusstsein, das sichere Wissen um die eigene Unentbehrlichkeit, ein hohes Maß an Teamfähigkeit und einen gesunden Durst auf Messwein.

Überraschend hat nun auch noch Altbundesteamchef Franz Beckenbauer seine Kandidatur angemeldet. Streng nach dem Prinzip "ja is´ den heut´ schon Weihnachten" werde er im Konklave gleichsam als Libero die Räume eng machen und aus der Tiefe des Raumes über den linken Flügel des Altartryptichons der sixtinischen Kapelle kommen. Und bisher, ja bisher hat der Franzl doch noch alles durchgezogen, was er einmal angefangen hat, oder?

Allerdings, Kardinäle, wenn Ihr Euch noch sechs Wochen Zeit lasst, dann wäre auch der Herr Steinbrück frei ...

ni