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Erfahrung mit Zwangsprostitution?
Fischerjagd wird für CDU/CSU zum Bumerang

Mit ihrer Steinewerfer-Kampagne ist es der CDU/CSU vor ein paar Jahren bereits nicht gelungen, den aktuellen Bundesminister des Äußersten aus dem Amt zu jagen. Im Zusammenhang mit der Visa-Affäre waren die Voraussetzungen nun zwar deutlich besser gewesen. Trotz diverser Steilvorlagen ist es aber wieder nicht gelungen, die Fischerjagd zu einem erfolgreichen Ende zu bringen. Diesmal muss man sich aber nicht nur vorhalten lassen, die dösigsten aller profilisierungssüchtigen Unions-Hinterbänkler in den Untersuchungsausschuss geschickt zu haben. Die ganze Angelegenheit hat sich mittlerweile zum Bumerang entwickelt, wie die hier im vollen Wortlaut widergegebene vorsorgliche Strafanzeige unseres Redaktionsmitglieds Nick Igel belegt:
Offener Brief an den Präsidenten des Deutschen Bundestages



Sehr geehrter Herr Präsident,
werter Herr Thierse,
lieber Wolfgang,

was ist denn im Reichstag los? Visa-TV auf allen Kanälen, das lasse ich mir ja noch gefallen. Immerhin geht es um die Frage, ob die großzügigen Visaregelungen des Auswärtigen Amtes - Leitlinie: "Einer geht noch, einer geht noch rein" - dazu geführt haben, dass mehr Kriminelle nach Deutschland gekommen sind und insbesondere der Menschenhandel erleichtert worden ist. Und mittendrin erklärt die Abgeordnete Ute Granold, CDU, vor laufenden Kameras: "In diesem Bereich habe ich reichlich Erfahrung. Ich arbeite selbst seit vielen Jahren im Bereich des Menschenhandels und der Zwangsprostitution".

Wie bitte? Wie sollen wir das verstehen? Die Dame gibt vor versammelter Öffentlichkeit zu, dass sie als Menschenhändlerin tätig ist? Oder outet sie sich als Opfer? Oder wie ist diese Einlassung zu interpretieren? Ein paar Sätze später ergänzte Frau Abgeordnete Granold noch: "Kollege Kauder und ich können aus eigener Erfahrung über den Bereich Zwangsprostitution berichten."

Werter Herr Präsident, ich bitte Sie um schonungslose Aufklärung! Sofern es so sein sollte, dass die Abgeordnete Granold und der Abgeordnete Kauder zur Prostitution gezwungen worden sein sollten, bitte ich Sie, den beiden Kollegen mein herzliches Mitgefühl zu übermitteln. Sofern aber die beiden Abgeordneten einen Menschenhändlerring aufgezogen und Frauen zur Prostitution gezwungen haben sollten, bitte ich Sie nachdrücklich darum, die Aufhebung der Immunität dieser Abgeordneten durch den deutschen Bundestag zu betreiben, und stelle ich vorsorglich Strafantrag bei der zuständigen Staatsanwaltschaft.

Mit freundlichen Grüßen
Hasta la Visa

Nick Igel


ni


Eilmeldung:
Bush geschlagen - Überraschungssieger in Washington

Wie soeben aus den Vereinigten Staaten gemeldet wird, haben die Präsidentschaftswahlen ein höchstens von Insidern vorhergesehenes Ende genommen. Nachdem George Dabbeljuh Bush sich über vier Jahre hinweg mit Pleiten, Pech und Panzern weltweit unbeliebt gemacht hatte und selbst die Amerikaner nicht dumm genug waren, sich mit dem Kerry-Würstchen anzufreunden, hat sich nach Auszählung der Stimmen in 48 von 50 Staaten der auch von Heiß&Fettig unterstützte unabhängige Kandidat offenbar erdrutschsiegartig durchgesetzt. Bereits in den frühen Abendstunden des 2. November gratulierte George Troubleyou Bush dem designierten Nachfolger in einem feierlichen Akt vor der versammelten Nationalgarde.


Nick Igel (rechts) übernimmt Verantwortung in den USA


In einer ersten Stellungnahme gab Präsident Igel bereits entscheidende Teile seines Legislaturperiodenprogramms bekannt:

"Als erstes werde ich den Nahostkonflikt beenden. Die neue Mauer zwischen Israel und Palästina wird um zwei Meter erhöht. Es wird ein Schießbefehl verhängt. Als Wachmannschaft werden Langzeitarbeitslose aus den neuen deutschen Bundesländern angeheuert, denen allerdings zunächst noch erklärt werden muss, in welche Richtung zu schießen sein wird. Es steht aber zu hoffen, dass sich der latente Antisemitismus solcher ostdeutschen Wachmannschaften mit der in Ostdeutschland ebenfalls weit verbreiteten Orientierungslosigkeit gegenseitig aufheben wird - selbst die, die auf jüdische Siedler schießen wollen, werden aus Versehen im Ergebnis doch nur Palästinenser abknallen. Zugleich wird die Entlastung des ostdeutschen Arbeitsmarktes die von meinem Vorgänger stark beschädigten deutsch-amerikanischen Beziehungen wieder erheblich verbessern.

Dann werde ich den Irak-Krieg beenden. Das amerikanische Militär wird abgezogen. Neuer Zivilchefberater im Irak wird Herr George W. Bush. Als Leibwächter werden ihm Frau Rice und Laura Bush zur Seite gestellt. Ferner darf er sein bisheriges Kabinett als Beraterstab mitnehmen.

Sollte der amerikanische Militäreinsatz noch übergangsweise fortgesetzt werden müssen, könnte Herrn Bush natürlich auch Gelegenheit gegeben werden, seinen Militärdienst als GI im Irak nachzuholen und zugleich die Landeskenntnisse zu erwerben, die ihm für seine spätere Beraterfunktion nützlich sein könnten.

Ferner werde ich die Geheimdienste neu strukturieren. Herr Bin Laden, mit dem die amerikanischen Regierungen in den achtziger Jahren bereits erfolgreich zusammen gearbeitet haben, wird neuer Geheimdienstkoordinator. Er hat in den vergangenen drei Jahren unter Beweis gestellt, dass er selbst als einzelner den gesammelten Kräften der verschiedenen Dienste noch überlegen ist.

Auf Sicherungssysteme für sozial schwächere Amerikaner und weltweiten Klimaschutz wird weiterhin offiziell geschissen. Es liegt auf der Hand, dass der Reichtum der amerikanischen Wirtschaftskapitäne nur zu sichern ist, wenn wir auch künftig massives Öko- und Sozialdumping betreiben. Und irgendwer muss ja meinen Wahlkampf 2008 finanzieren."



ni


Erster Skandal in der PARTEI
Konkurrierende Ortsgruppen in Groß-Pösenau gegründet

Zwei Monate nach ihrer Gründung zeichnet sich in der PARTEI bereits ein handfester Skandal ab. Ausgangspunkt ist die norddeutsche Gemeinde Groß-Pösenau. Anlässlich des Schützenfestes hatten sich mehrere Groß-Pösenauer noch darauf verständigen können, dass der Mauerfall im Jahre 1989 ein großer historischer Irrtum gewesen sei, dieser so schnell wie möglich korrigiert werden müsse, und man es deshalb sehr begrüße, dass es mit der PARTEI nun endlich eine politische Kraft gibt, die sich vehement für die Wiedererrichtung der Mauer einsetzt. Obwohl die Anwesenden zu diesem Zeitpunkt bereits bis zur Halskrause mit Bier und Korn abgefüllt waren, reichte es außerdem immerhin noch zu der Erkenntnis, dass es mit Stammtischparolen nicht getan sei. Vielmehr sei konkretes Handeln gefragt. Weshalb man sich auch darauf verständigte, gemeinsam in die PARTEI einzutreten und zügig eine Ortsgruppe zu gründen.

Ob es an alkoholinduzierten Erinnerungslücken einiger Personen gelegen hat, lässt sich heute nicht mehr restlos aufklären. Jedenfalls sind zum Gründungstreffen am nächsten Abend nur drei Personen erschienen, die allerdings sofort einen Ortsverein aus der Taufe gehoben und einen Vorsitzenden nebst Stellvertreter gewählt haben. Zum Ende dieser Amtshandlung betritt nun der für sein Alter noch vergleichsweise rüstige Rentner und ortsbekannte Querulant Hinnerk J. die politische Bühne. Aus alter Gewohnheit war er an diesem Montagabend im Gasthof "Zur Traube" erschienen, um vor den "Tagesthemen" noch ein paar Bier und vielleicht auch drei bis vier Korn zu trinken . Erleben muss er an diesem Abend allerdings, wie seine Schützenbrüder Claas W., Peter Z. und Sönke K. in bester Stimmung auf die soeben erfolgte Ortsgruppengründung anstoßen und das Lied "Die Partei, die Partei hat immer recht" anstimmen. Worauf ihm urplötzlich dämmert, dass man sich für diesen Abend ja hier zum Gründungsakt verabredet hatte. Auf seine Frage, ob man ihn nicht dabei haben wolle, bekommt er zunächst nur eine ebenso knappe wie ausweichende Antwort. Nur unwesentlich präziser fällt anschließend die Resonanz auf seine Tatsachenbehauptung aus, bei den anwesenden Schützenbrüdern handele es sich samt und sonders um "feige Intriganten", die bekannt dafür seien, "jeden mit ganz miesen Tricks über'n Tisch zu ziehen". Und schließlich lässt sich Hinnerk J. sogar zu der Ankündigung hinreißen, dem gerade gewählten Vorsitzenden und seiner Entourage "gleich auf die blöde Fresse zu hauen".

Dem Eintreffen des Landwirts Sven B. ist es zu verdanken, dass sich die Situation zunächst entspannt hat. Seiner Aufforderung "Komm, Hinnerk, trink auch ein' Korn" hat Hinnerk J. nicht widerstehen können. Worauf sich beide in den am weitesten entfernten Winkel der "Traube" begeben haben, um dort im weiteren Verlauf des Abends über geeignete Gegenmaßnahmen nachzudenken. Daran beteiligt waren später auch der Maschinenschlosser Jürgen S., dessen Lebensgefährtin Annerose H. sowie namentlich nicht mehr rekonstruierbare Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Groß-Pösenau. Sehr schnell war man sich dahingehend einig, dass am frühen Abend dieses Tages der Versuch eines politischen Handstreichs stattgefunden habe. Und gegen 23:00 Uhr MEZ schließlich auch im Hinblick auf die angemessene Antwort. Diese könne nur darin bestehen, dann eben auch eine örtliche Niederlassung der PARTEI zu gründen, die ohnehin der einzige rechtmäßige Zusammenschluss sei, denn "legal, kann das, was diese Arschlöcher da drüben an annern Tisch gemacht haben, überhaupt nich sein".

Gesagt, getan. Unter Zuhilfenahme eines vom Wirt der "Traube" zur Verfügung gestellten Blattes karierten Papiers ist noch an diesem Abend die Gründung des "einzigen offiziellen Ortsvereins der PARTEI in Groß-Pösenau" vollzogen und für die Nachwelt protokolliert worden. Hinnerk J. ist zum einzigen rechtmäßigen Vorsitzenden gewählt worden, Jürgen S. zum ebenso legalen Stellvertreter und Sven B. zum Kassenwart. Hinnerk K. wird es übernehmen, das Gründungsprotokoll - natürlich am besten, bevor die Konkurrenz dazu kommt - an die Parteizentrale zu schicken.

HEISS&FETTIG wird weiter aus Groß-Pösenau berichten. Zum Beispiel darüber, wann Hinnerk J. ein Faxgerät findet und ob er es bedienen kann.

jg


Überraschung bei der Europawahl
Parteien statt Nationalmannschaften auf Stimmzetteln

Allgemeine Konfusion am Tag der Europawahl. Die Mehrzahl der Deutschen, die aktiv bei diesem Event dabei sein wollten, haben sich in den Wahllokalen auf einmal mit Zetteln konfrontiert gesehen, auf denen nicht zwischen den Optionen "Deutschland gewinnt", "Klarer Sieg für die Holländer" und "Unentschieden" zu unterscheiden war. Stattdessen standen merkwürdige Abkürzungen zur Wahl, die irgendwie an politische Parteien erinnert haben. Was aber eigentlich schon allein deshalb nicht sein konnte, weil ja erst vor einiger Zeit eine derartige Abstimmung stattgefunden hat.

Nicht anders übrigens die Situation in anderen EU-Ländern, deren Nationalmannschaften gerade in Portugal Fußball spielen. Natürlich steht auch dort die Europameisterschaft im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Und insbesondere in Frankreich und England versteht man es überhaupt nicht, dass ausgerechnet an einem Tag, an dem die sportlichen Repräsentanten beider Länder aufeinandertreffen, profane Dinge wie eine Europawahl stattfinden sollen.

jg


Lösung für Bundespräsidenten-Krise in Sicht
Guido soll Königin werden

95 Prozent der Deutschen ist es nach einer aktuellen Umfrage zwar völlig egal, wer nächster Bundespräsident wird. Was die führenden Oppositionspolitiker, die in dieser Sache endlich mal wieder etwas zu entscheiden haben, aber nicht daran hindert, sich intensiv darüber Gedanken zu machen, wer Nachfolger des Wuppertaler Wanderpredigers werden soll. Eine besondere Rolle spielt dabei der FDP-Vorsitzende. Wie zu den besten Zeiten, als die FDP die Rolle des Züngleins an der Waage immer wieder schamlos dafür genutzt hat, den Kurs der Regierungspolitik zu bestimmen, hebt oder senkt Guido Westerwelle nun den Daumen über jedem potenziellen Kandidaten. Prominentestes Opfer ist bislang Wolfgang Schäuble, der zum Leidwesen des deutschnationalen Flügels der CDU/CSU nicht Präsident werden darf. Doch es zeichnet sich nun glücklicherweise eine Lösung ab. Nach zunächst noch unbestätigten Informationen soll Westerwelle unter bestimmten Bedingungen bereit sein, einem Unionskandidaten zuzustimmen. Nämlich dann, wenn Merkel und Stoiber ihm zusichern, dass aus Deutschland bei nächster Gelegenheit eine Monarchie wird und Guido dann Königin werden darf.

jg